{"id":67,"date":"2011-03-31T07:32:04","date_gmt":"2011-03-31T07:32:04","guid":{"rendered":"http:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=67"},"modified":"2020-01-19T14:12:16","modified_gmt":"2020-01-19T13:12:16","slug":"die-wunderbare-wichtelwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=67","title":{"rendered":"Die wunderbare Wichtelwelt"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb_share_1\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\"><a name=\"fb_share\" type=\"box_count\" share_url=\"https:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=67\" href=\"http:\/\/www.facebook.com\/sharer.php\">Share<\/a><\/div><div><script src=\"http:\/\/static.ak.fbcdn.net\/connect.php\/js\/FB.Share\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/div><h3><strong>Die wunderbare Wichtelwelt<\/strong><\/h3>\n<p><strong>(eine Geschichte f\u00fcr alle, die an Wunder glauben)<\/strong><\/p>\n<address>Diese Geschichte basiert auf Comicfiguren, die der Cartoonist J\u00f6rg Lassahn <a href=\"http:\/\/www.cartoonexpress.de\" target=\"_blank\">(www.cartoonexpress.de)<\/a> erfunden hat. Die Namen und Charaktere der Wichtel stammen von ihm. In gemeinschaftlicher Arbeit wurden die H\u00e4user in der Wichtelwelt entwickelt. Die wunderbare Wichtelwelt gab es als DVD-Adventskalender und als Website (www.wunderbare-wichtelwelt.de),\u00a0 die leider nicht mehr besteht. Ich sollte mir damals eine Geschichte ausdenken, die die Entstehung der Wichtelwelt erkl\u00e4rt und die Charaktere einbindet.\u00a0 Die Geschichte wurde nie ver\u00f6ffentlicht. Da sie mein eigenes Gedankengut ist und ich sie nach wie vor sehr sch\u00f6n finde, stelle ich Sie heute hier ein.\u00a0 <strong><br \/>\n<\/strong><\/address>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Benny<\/strong><\/p>\n<p>Es war Nacht. Benny lag wie so oft in seinem Bett und konnte nicht schlafen. Schlimme Tr\u00e4ume plagten ihn, von feuerspeienden Drachen und hungrigen Wolfsrudeln, die ihn durch die fremde Wohnung jagten.<\/p>\n<p>Nach solchen Tr\u00e4umen lag Benny dann immer schwitzend im Bett. Aus lauter Angst machte er dann sein Nachtischl\u00e4mpchen an und schaute erst mal unterm Bett und in seinem Schrank nach, ob nicht irgendwo noch ein verirrter Drachen oder Wolf lauerte.<\/p>\n<p>Meistens schlief er dann bei eingeschaltetem Licht wieder ein, bis der Wecker klingelte oder ihn seine Mutter weckte, um ihm zu sagen, dass er wieder einmal verschlafen hatte. Und das tat er oft, seitdem sein Vater nicht mehr da war.<\/p>\n<p>Irgendwie f\u00fchlte sich Benny immer \u00f6fter allein gelassen von seiner Mutter und er hatte den Eindruck, dass sie nicht mehr die gleiche Mama war, wie fr\u00fcher, als sie noch eine richtige Familie waren.<\/p>\n<p>Jetzt war sie oft abends nicht zu Hause und Benny musste sich sein Abendessen selber warm machen. Danach schaute er noch etwas fern oder spielte mit seinen doofen Spielsachen, die irgendwo im Zimmer herumlungerten.<\/p>\n<p>Das allerschlimmste aber war, dass Benny keine Freunde mehr hatte, seitdem sie in diese bescheuerte Stadt gezogen waren und in dieses kalte Hochhaus. Benny fand, dass die letzten Monate entschieden zu stressig waren, f\u00fcr die zarte Seele eines 8-j\u00e4hrigen Jungen.<\/p>\n<p>Und so strafte er seine Mutter mit schlechten Noten, mieser Laune und langem Schlafen. Sollte sie doch sehen, wie sie ihn wach und rechtzeitig in die Schule bekam!! Ach ja, und sein Zimmer r\u00e4umte er auch nicht mehr auf. Das hatte sie nun davon, dass sie ihn aus seiner kleinen warmen Welt gerissen hatte. Und wenn sie sich noch so sehr mit Eis und Schokolade bei ihm einschleimte \u2013 er w\u00fcrde es ihr so schwer wie m\u00f6glich machen, sich hier wohl zu f\u00fchlen. Das hatte er sich geschworen \u2013 beim Leben seiner letzten Milchz\u00e4hne!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tiki, Flinn und Puck<\/strong><\/p>\n<p>Eines Abends war Benny wieder einmal alleine zu Hause. Er lag zitternd in seinem Bett und hatte Angst aufzustehen. Der alte Nachttischlampen-Trick funktionierte nicht. Denn die doofe Birne hatte sich direkt nach dem Einschalten mit einem lauten Knall verabschiedet. Jetzt war es stockdunkel um ihn herum und er traute sich nicht, seine F\u00fc\u00dfe unter der Bettdecke weg zu bewegen. Denn wer wusste schon, ob nicht noch irgendeine Puffotter unter seinem Bett wartete, um ihm den dicken Zeh abzubei\u00dfen. Auch wenn er seine F\u00fc\u00dfe schon lange nicht mehr gewaschen hatte und sie bis zu ihm hoch nach Fu\u00dfschwei\u00df dufteten. Niemand wusste genau, ob dieser Geruch die gemeine Puffotter auch wirklich abschrecken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>\u201eBitte\u201c, fl\u00fcsterte er inbr\u00fcnstig, \u201ekann mich jetzt nicht irgendein Wunder in einen Vogel verwandeln? Dann k\u00f6nnte ich schnell ins Bad fliegen, ohne die F\u00fc\u00dfe auf den Boden setzen zu m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich riss Benny vor Schreck die Augen auf. Irgendetwas tapste unter der Bettdecke auf seinem Bauch herum, begleitet von ged\u00e4mpften Stimmen.<\/p>\n<p>\u201eOioioi, wo sind wir denn jetzt schon wieder hingeraten?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSei still Puck! Ich glaube, wir sind durch ein wichteliges Wurmloch geflutscht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eFlinn? Puck? Was machen wir denn hier? Und was ist das f\u00fcr ein wummern? H\u00f6rt sich fast so an, als w\u00fcrde da irgendjemand ganz sch\u00f6n Angst haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch Tiki, du bist auch da. Da bin ich aber froh. Oioioi. Meinst du, wir m\u00fcssen mal wieder jemandem aus der Patsche helfen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMach\u2018 doch mal einer Licht an! Ist ja stockdunkel hier! Und \u2013 Puuhh \u2013 riecht das hier nach Schwei\u00dff\u00fc\u00dfen. Zu wem geh\u00f6ren die denn wohl? Haaallllooo!!!!\u201c<\/p>\n<p>Benny stockte der Atem, als sich die drei kleinen Wesen langsam nach oben bewegten. Er fasste allen Mut zusammen und sagte zaghaft: \u201eD\u2026 die F\u00fc\u00dfe g &#8230; geh\u00f6ren mir, B \u2026 Benny! W \u2026 wer seid ihr? W \u2026 wollt ihr mich holen?\u201c<\/p>\n<p>Kleine H\u00e4ndchen patschten tastend durch sein Gesicht. \u201eF\u00fchlt sich an, wie eine dicke Nase!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hab\u2018 gar keine dicke Nase!\u201c antwortete Benny beleidigt.<\/p>\n<p>\u201eUnd diese kleinen \u00d6hrchen \u2026 wie putzig!\u201c<\/p>\n<p>\u201eTiki, jetzt reicht\u2019s! Hier riechts nicht nur nach F\u00fc\u00dfen &#8230; hier muss irgendwo auch ein Mund sein, dem Mundgeruch nach zu urteilen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eStimmt! Ich habe da gerade auch etwas geh\u00f6rt, das wie Worte klang \u2026 Hihihi, wenn man sich die klappernden Z\u00e4hne wegdenkt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eOioioi, da scheint aber jemand Angst vor uns zu haben!\u201c<\/p>\n<p>Benny nahm seinen ganzen Mut zusammen, atmete tief durch und sagte: \u201eIch hab\u2018 aber keine Angst!\u201c und weil er gerade mal dabei war, denen seine Meinung zu sagen, f\u00fcgte er noch hinzu: \u201eUnd keinen Mundgeruch!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSieh mal einer an, da ist aber einer ein wichteliger L\u00fcgner. Wann hast du dir denn das letzte Mal die Z\u00e4hne geputzt? Hmm?\u201c Ein kleiner Finger pickte Benny auffordernd in die rechte Backe.<\/p>\n<p>\u201eHmmm\u2026\u201c \u00fcberlegte Benny \u201e\u2026 wenn ich\u2018s mir recht \u00fcberlege, genau vor 3 Tagen. Da gab\u2018s n\u00e4mlich Fleischwurst mit Knoblauch. So, und wer sagt jetzt, ich sei ein L\u00fcgner und h\u00e4tte mir die Z\u00e4hne nicht geputzt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch, Flinn! Und jetzt sag\u2018 uns mal, wo hier das Licht angeht! Ich will nicht mehr im Dunklen tapern. Hinterher rutsche ich noch auf deinem Angstschwei\u00df aus!\u201c<\/p>\n<p>\u201eD \u2026 die Birne ist gerade kaputt gegangen! Direkt nach meinem Traum \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eOioioi, da hat aber einer einen wahnsinnig wichtelig grausligen Traum gehabt \u2026 oioioi, beim gro\u00dfen Oberwichtel!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHm, Flinn? Puck? Was meint ihr? Da k\u00f6nnen wir ihn nur mit zu uns nehmen. Da scheint gerade die Sonne und wir k\u00f6nnen uns unser \u00e4ngstliches Schmuckst\u00fcck hier mal im Hellen betrachten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eW ..wie? I \u2026 ich s \u2026 soll m \u2026 mit z \u2026 zu Euch k\u2026 kommen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJetzt mach\u2018 dich mal nicht in die Hose, junger Freund. Bei uns passiert dir nichts. Und ein paar neue Leute kennen zu lernen, w\u00fcrde dir mal ganz gut tun!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd h\u00f6r\u2018 endlich auf zu stottern! Ist ja nicht mit anzuh\u00f6ren! Sei mal ein starker Junge! Du bist doch ein Junge, oder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMensch Tiki, nat\u00fcrlich ist das ein Junge. Benny ist doch ein Jungenname. Nur Angst haben, tut er wie ein M\u00e4dchen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eFlinn, sei still. Sonst zeige ich dir mal, wie \u00e4ngstlich ein M\u00e4dchen ist \u2013 so wahr ich Tiki hei\u00dfe und auf jeden Baum klettern kann, zwischen Wuselwald und Waselwuld!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchon gut, schon gut, Tiki! Also Benny, kommst du jetzt mit oder nicht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eOk! Aber ich muss morgen in die Schule!\u201c<\/p>\n<p>\u201eKein Problem. In der wunderbaren Wichtelwelt gehen die Uhren anders als bei euch.\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u2026 n\u00e4mlich manchmal gar nicht. Oder zu sp\u00e4t\u201c Oioiooi oder zu fr\u00fch!\u201c<\/p>\n<p>\u201ePuck, sei still! Lasst uns jetzt hier verschwinden, bevor ich noch l\u00e4nger im Dunklen tappe!\u201c<\/p>\n<p>Benny wollte sich noch nicht so ganz geschlagen geben und etwas Zeit zum \u00dcberlegen gewinnen. Also fragte er: \u201eWunderbare Wichtelwelt? Nie geh\u00f6rt! Wie kommt man denn dort hin?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGanz einfach und ohne die F\u00fc\u00dfe auf den Boden stellen zu m\u00fcssen! Du musst nur die Augen ganz fest schlie\u00dfen und drei Mal hintereinander sagen:<\/p>\n<p><strong>1, 2, 3 wichtelige Wichtelei \u2013 wunderbare Wichtelwelt komm\u2018 herbei!<\/strong><\/p>\n<p>Und schon bist du dort. Also, gehen wir jetzt, oder willst du hier im Bett festwachsen, du Angstbeule?\u201c<\/p>\n<p>Angstbeule? Das hatte noch niemand zu Benny gesagt! Und schon gar nicht wollte er sich das gefallen lassen. Also schloss Benny ganz fest die Augen und sagte drei Mal hintereinander:<\/p>\n<p><strong>\u201e1, 2, 3 wichtelige Wichtelei \u2013 wunderbare Wichtelwelt komm\u2018 herbei!<\/strong>\u201c<\/p>\n<p>Und dann begann sich alles um ihn herum zu drehen und Benny wurde immer kleiner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>M\u00fctzelbach am Wuselwald<\/strong><\/p>\n<p>Als Benny die Augen aufschlug wurde es glei\u00dfend hell um ihn herum und warmes Sonnenlicht streichelte seine Haut. Er musste mit den Augen zwinkern, um sich an das helle Tageslicht zu gew\u00f6hnen. Um sich herum h\u00f6rte er ein wohlig wuseliges Wuseln und er f\u00fchlte sich sofort wohl. Langsam \u00f6ffnete er weiter die Augen und blickte sich staunend um. Offensichtlich war er auf einem Marktplatz gelandet und um ihn herum herrschte gesch\u00e4ftiges Treiben. Eingerahmt wurde der Marktplatz von merkw\u00fcrdig aussehenden H\u00e4usern und kleine Bautrupps arbeiteten flei\u00dfig an weiteren eigent\u00fcmlichen H\u00e4usern.<\/p>\n<p>\u201eOui, was aben wir denn da? Ein nacktes Menschlein!\u201c<\/p>\n<p>Schnell drehte sich Benny um und stockte. Drei kleine Lebewesen mit langen spitzen Ohren, gro\u00dfen schlauen Augen und witzigen M\u00fctzchen auf dem Kopf lachten ihn an. Benny blickte an sich herunter und \u2026 ach du Schreck \u2026 sein Schlafanzug war weg! Den musste er bei seiner Schrumpfaktion im Bett vergessen haben.<\/p>\n<p>\u201eUnd jetzt werde ich auch noch rot\u201c \u00e4rgerte sich Benny und versuchte sich so hinzustellen, das niemand was sah. Aber schon bekam er von einem \u00e4ltlichen Gesellen mit einem langen Bart einen Anzug hingehalten.<\/p>\n<p>\u201eIer Mon Cher, der d\u00fcrfte pass\u00f6\u00f6n. Isch\u00f6h abe schon lang\u00f6 f\u00fcr\u00f6h keine Menschliieng mehr Hot Cot\u00fcr machen d\u00fcrf\u00f6n. Der letzte atte \u2026 nun ja \u2026 sagen wir\u00f6 mal \u2026 genau dein\u00f6 Gr\u00f6ss\u2018! Ach so, \u00e4tte isch\u00f6 fast vergess\u00f6n misch\u00f6h vorzustell\u00f6n. Voila, isch\u00f6h bin Schnitl, der Schneid\u00f6\u00f6rwischt\u00f6l. Der best\u00f6 Schneid\u00f6\u00f6r, wem\u2018s gef\u00e4llt, in der ganz\u00f6\u00f6n Wichtelwelt!\u201c<\/p>\n<p>Sprachs und mit einem \u201eOui Oui, muss misch\u00f6 mal wied\u00f6r um mein\u00f6 Kundschaft k\u00fcmm\u00f6\u00f6rn \u2026.\u201c verschwand der Schneiderwichtel in der Menge.<\/p>\n<p>Schnell zog Benny die Sachen \u00fcber und wahrlich, sie standen ihm so gut, als w\u00e4ren sie geradewegs f\u00fcr ihn gemacht. Mit einem stolzen L\u00e4cheln schaute er sich nun seine neuen Freunde mal genauer an.<\/p>\n<p>Aber schon z\u00fcckten sie ihre kleinen H\u00e4ndchen und sprachen durcheinander:<\/p>\n<p>\u201eIch bin dierPuFliTikl\u2026.\u201c<\/p>\n<p>\u201eOk, ok\u201c, antwortete Benny. Immer Einer nach dem Anderen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAlso gut, der Pimpf da, das ist der kleine Puck. Er ist der j\u00fcngste von uns und hat immer nur Unsinn im Kopf. Deshalb passt er im Wichtel-Kindergarten nie beim Schreiben und Lesen auf. Jetzt guck mal nicht so ungescheit, Menschling! In der Wichtelwelt lernen die Kleinen Zahlen, Buchstaben und W\u00f6rter schon im Kindergarten. Puck ist au\u00dferdem sehr voreilig und bringt uns mit seiner tollpatschigen Art oft in arge Bedr\u00e4ngnis. Und wenn du seinen komischen Wichtelgang siehst, denkst du bestimmt, Puck kann noch nicht mal richtig laufen. Aber Pustekuchen! Puck ist immer als Erster dort, wo er eigentlich nicht sein sollte \u2013 mittendrin im Schlamassel.\u201c<\/p>\n<p>Puck bekam einen etwas roten Kopf und blickte schuldbewusst zu Boden. Aber nicht lange, dann umspielte ein L\u00e4cheln seinen Mund und er sagte frech:<\/p>\n<p>\u201eIhr m\u00fcsst mir ja nicht st\u00e4ndig hinterher kommen! Und? Wer hat denn den Menschling hier gefunden? Ihr oder Ich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchon gut, schon gut\u201c, lachte Tiki mit einem Augenzwinkern, \u201edu bist doch unser Bester!\u201c<\/p>\n<p>Puck schaute Benny siegessicher an: \u201eJa Menschling, da staunst du, was? Ich habe dich gefunden! Weil ich dein Wimmern geh\u00f6rt habe! Aber mir wollte ja mal wieder keiner glauben, dass da jemandem geholfen werden muss!\u201c<\/p>\n<p>Bevor Benny etwas entgegnen konnte, fuhr Tiki fort:<\/p>\n<p>\u201eUnd der da, das ist Flinn. Flinn f\u00fchlt sich immer sehr erwachsen \u2013 obwohl er, wie wir, noch im Wichtelkindergarten ist. Aber zum Erwachsenwerden fehlen ihm noch rund 100 Wichteljahre.\u201c<\/p>\n<p>Flinn versuchte zu gucken, wie ein Erwachsener. Er kratzte sich am Kopf und verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust.<\/p>\n<p>\u201eDa hilft es auch nichts, wenn er beim Reden immer die Arme verschr\u00e4nkt, nur, um \u00e4lter zu wirken\u201c, sprach Tiki weiter, \u201e aber handwerklich, ist Flinn der geschickteste Jungwichtel in der ganzen Wichtelwelt.\u201c<\/p>\n<p>Flinn nickte best\u00e4tigend und spannte angeberisch seine Oberarmmuskeln an.<\/p>\n<p>\u201eJetzt mach\u2018 mal halblang, Flinn. Wo bei dir Muskeln sein sollen, ist momentan noch reichlich viel frische Wichtelluft. Aber ok, du bist ein Meister darin, in den schwierigsten Situationen ein Werkzeug herzustellen, das uns wieder aus der Patsche hilft \u2026 falls wir mal sehr selten in eine reinkommen.\u201c<\/p>\n<p>Flinn machte einen gewichtigen Schritt nach vorne und stellte sich mit verschr\u00e4nkten Armen in Positur.<\/p>\n<p>\u201eUnd dieses Wichtelm\u00e4dchen da, das ist Tiki. Sie ist \u2026 hmnja \u2026 die tollste Wichtelfreundin, die man haben kann.\u201c<\/p>\n<p>Flinn wurde gaanz leicht rot im Gesicht und Tiki schaute sch\u00fcchtern zu Boden. Aber schon war Flinn wieder ganz der Alte und fuhr fort:<\/p>\n<p>\u201eUnd das Beste: Sie hat immer einen frechen Spruch auf Lager, wenn einem selber gerade nix einf\u00e4llt. Was sie auch noch besonders gut kann, ist immer wieder neue Wege aus dem Wichtel-Kindergarten zu fi\u2026.. \u00e4hhh \u2026. Also, Tiki ist auch f\u00fcrchterlich stark. Und das ist sehr wichtelig! Denn sie muss unserem kleinen Puck hier \u00f6fter mal vor den gr\u00f6\u00dferen Wichteln besch\u00fctzen, die den Kleinen gerne mal auf die Schippe nehmen.\u201c<\/p>\n<p>Tiki wartete. Als nichts mehr kam, erg\u00e4nzte sie: \u201e Das ist noch nicht alles, lieber Flinn! Ich bin auch noch Wichtelmeisterin im Klettern und Raufen. Dabei macht mir keiner so schnell was vor!\u201c<\/p>\n<p>Sie machte eine geschickte Drehung und warf Flinn mit einem gekonnten Schwung zu Boden.<\/p>\n<p>Bewundernd schaute Benny Tiki an. \u201eDie ist ja s\u00fc\u00df! Ach je, wenn es so ein tolles M\u00e4dchen doch blo\u00df zu Hause in meiner Klasse g\u00e4be.\u201c<\/p>\n<p>Als Tiki ihn herausfordernd anschaute, sah er schnell weg. \u201eWo sind wir eigentlich hier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIn M\u00fctzelbach am Wuselwald\u201c, entgegnete Tiki. \u201eKomm, wir f\u00fchren dich mal ein wenig herum.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Herz am rechten Fleck<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSiehst du das Haus da vorne? Das so aussieht, wie eine riesige Schatzkiste?\u201c fragte Tiki.<\/p>\n<p>\u201eDas ist die kr\u00fcmelige Kekskasse\u201c, fiel ihr Puck frech in die Parade, \u201eda kannst du deine Kekstaler eintauschen!\u201c<\/p>\n<p>\u201e??? Was sind denn bitte Kekstaler?\u201c fragte Benny und schaute in die Runde.<\/p>\n<p>\u201eDas ist unsere W\u00e4hrung, hier in der Wichtelwelt. Hier wird alles mit Kekstalern bezahlt!\u201c sagte Flinn wichtig.<\/p>\n<p>\u201eUnd wie kann ich mir die verdienen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGanz einfach! Indem du Sammelsachen umtauschst oder den Wichteln irgendwie hilfst. Weil, wir Wichtel tun seit Anbeginn der Zeit nichts lieber, als anderen zu helfen!\u201c predigte Flinn.<\/p>\n<p>\u201eUnd wir Wichtel sind nicht nachtragend und falsch!\u201c erg\u00e4nzte Tiki stolz.<\/p>\n<p>\u201eUnd wir sagen immer die Wahrheit!\u201c Puck spreizte drei Finger ab \u201eIch schw\u00f6re!\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, und alle, die als Fremde hier in die Wichtelwelt kommen, sagen: \u201eDie Wichtel, die haben ein Herz aus Gold!\u201c philosophierte Flinn mit stolzgeschwellter Brust.<\/p>\n<p>Und Puck erg\u00e4nzte: \u201eJa, wir Wichtel haben das Herz am rechten Fleck!\u201c<\/p>\n<p>\u201eGenau, wo Menschen ihr Herz links haben, ist unser Herz auf der rechten Seite. Und dort, wo es schl\u00e4gt, haben wir eine kleine helle Stelle auf der Haut: das ist er rechte Fleck. Und es stimmt: Unsere Herzen sind aus purem Gold. Und wenn wir niedertr\u00e4chtig, b\u00f6sartig, habgierig, nachtragend oder falsch sind, dann werden unsere Herzen zu Stein.\u201c erkl\u00e4rte Tiki mit ernstem Blick.<\/p>\n<p>\u201eOioioi \u2026 genau, wie das vom B\u00f6sewichtel!\u201c erg\u00e4nzte Puck. Und um seine wichtelige Aussage zu unterstreichen, nickte er wild mit dem Kopf.<\/p>\n<p>\u201eEcht wahr? Kann doch gar nicht sein!\u201c Ungl\u00e4ubig schaute Benny in die Runde.<\/p>\n<p>\u201eOk, nimm dich als Beispiel. Du siehst anders aus als wir. Du hast zum Beispiel eine dicke Nase und f\u00fcrchterlich kleine Ohren. Und kleine Augen. Und du kommst nicht aus der Wichtelwelt. Du bist quasi ein Ausl\u00e4nder ohne Geld und g\u00fcltigen Pass.\u201c entgegnete Flinn.<\/p>\n<p>\u201eStimmt, bin ich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd, hat dich hier irgendjemand komisch angeschaut?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHat dich jemand geh\u00e4nselt, weil du anders aussiehst als wir?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein!\u201c Benny schaute schuldbewusst, weil er wusste, wie es in der Menschenwelt zugeht. Und er fragte sich im Stillen, ob sein Herz sich wohl schon in einen Stein verwandelt hatte.<\/p>\n<p>\u201eSiehst du! Wir Wichtel haben einen freien Geist und wir lieben jeden, der zu uns kommt, als w\u00e4re er unser Freund. Oberwucht, der Oberwichtel sagt, dass unsere Liebe ganz tief im Universum verwurzelt ist und wir sie bewahren m\u00fcssen, weil sie unser gr\u00f6\u00dfter Schatz ist.\u201c L\u00e4chelnd nahm Tiki Benny in den Arm und dr\u00fcckte ihn fest.<\/p>\n<p>Benny war ganz ger\u00fchrt und vor lauter R\u00fchrung trat er aus Versehen auf einen quengeligen Quint, der gerade an ihm vorbei lutschern wollte. Der verlor dabei seinen Rucksack und sein Inhalt ergoss sich \u00fcber den Marktplatz. Quengelige Quinte gab es \u00fcberall in der Wichtelwelt. Sie hatten seehr kurze Beine und eine stromlinienf\u00f6rmige Figur. Dazu hatten sie eine \u00e4u\u00dferst flutschige Haut. Deshalb waren sie sehr schnell und \u00fcbernahmen gerne Aufgaben, wie Briefkurier oder Pizza-Flitzer, bei denen Schnelligkeit und hohe Flutscheigenschaften gefragt waren, weil sie sehr schnell durch die Wichtelmenge lutschern konnten. Lutschern war ein Mittelding zwischen Kriechen und Laufen. Denn, was Quinte mit ihren 36 kurzen Beinchen taten, konnte man wei\u00dfgott nicht mehr als Gehen oder Laufen bezeichnen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem waren quengelnde Quinte sehr modebewusst. Quinte haben keine Haare, sondern stattdessen wuchsen ihnen Hautlappen. Und die waren immer nach dem neuesten Stand der Hautlappenmode frisiert. Momentan waren bei den Quinten wieder B\u00e4rte jeglicher Art und Fasson im Kommen.<\/p>\n<p>Laut in seinen Bart aus Hautlappen quengelnd, sammelte der Quint seine Briefe und Postkarten ein und zog\u00a0 weiter. Nicht ohne Benny noch schnell einen Vogel gezeigt zu haben.<\/p>\n<p>Da musste Benny lauthals lachen. Und dieses Lachen war so ansteckend, dass erst seine drei Freunde und dann alle Wichtel, die sich gerade in M\u00fctzelbach aufhielten, mit lachen mussten. Benny fragte sich, wann er das letzte Mal gelacht hatte. Aber er konnte sich nicht daran erinnern.<\/p>\n<p>Tiki schaute Benny mit stiller Bewunderung an: \u201eDein Lachen ist ansteckend, Menschling. Auch das ist ein gro\u00dfer Schatz. Bewahre ihn dir.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die leseleichte Leselei<\/strong><\/p>\n<p>\u201eJetzt lasst uns mal endlich die Stadtrundfahrt weiter machen!\u201c, quengelte der kleine Puck.<\/p>\n<p>Und so gingen unsere Freunde zum n\u00e4chsten Haus. Das sah eher aus, wie ein gebogener Turm und ganz oben leuchtete sein rotes Spitzdach vor dem blauen Himmel \u00fcber M\u00fctzelbach.<\/p>\n<p>\u201eDas ist die leseleichte Leselei. Darin stehen alle B\u00fccher, die du dir nur vorstellen kannst. Quasi die Weisheit der ganzen Wichtelwelt. Und weil wir Wichtel gaaanz wichtelige Geschichten lieben und schon im Kindergarten Schreiben und Rechnen lernen, schicken schon die Kleinsten von uns ihre Geschichten in die Leselei.<\/p>\n<p>Der B\u00fccherwichtel f\u00fchrt genau Buch, wer wann welche Geschichten einstellt und wer welche Geschichten liest. Aber um eine der Geschichten zu lesen, musst du erst mal selber eine Geschichte schreiben oder ein paar Kekstaler haben. Und die holen wir uns jetzt aus der kr\u00fcmeligen Kekskasse!\u201c<\/p>\n<p>Flinn schaute sehr erwachsen aus der W\u00e4sche und erkl\u00e4rte weiter: \u201eAm schnellsten bekommst du Kekstaler, wenn du dich hier ein wenig umsiehst. \u00dcberall wachsen hier vierbl\u00e4ttrige Gl\u00fccksklee-Bl\u00e4tter. Die musst du einsammeln. Denn der Kassenwichtel braucht viel Gl\u00fcck, damit seine Kekskasse keine Wirtschaftskrise bekommt. Denn Wirtschaftskrisen sind nicht immer sehr schmackhaft und lassen die Kekstaler schnell alt aussehen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd dann werden die Kekstaler mal so richtig sauer! Oioiooi. Und ich sage dir: Habe niemals einen sauren Kekstaler in der Tasche. Der kr\u00fcmelt dich total voll und das kratzt ganz schlimm auf der Haut, \u201c wusste Puck zu berichten. Dabei kratzte er sich zur Best\u00e4tigung heftig hinterm linken Ohr.<\/p>\n<p>\u201eAu\u00dferdem kannst du Kekstaler als Belohnung bekommen, \u201e erg\u00e4nzte Tiki, \u201edie Wichtel sind sehr vergesslich und lassen \u00fcberall ihre M\u00fctzen und Zuckerstangen liegen. Wenn du also eine M\u00fctze oder eine Zuckerstange findest und in der Kekskasse abgibst, bekommst du zur Belohnung immer ein paar Kekstaler.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd weil die Wichtel so viele Zuckerstangen verlieren, gibt es mittlerweile so viele davon, dass man ruhig auch mal ein paar naschen kann, weil sie eh keiner mehr vermisst.\u201c Gen\u00fcsslich leckte sich Puck \u00fcber den Mund und rieb sich dazu wohlig den Bauch.<\/p>\n<p>Benny schaute sich suchend um und wirklich: \u00dcberall auf der Wiese wuchs Gl\u00fccksklee und wenn man ganz genau suchte, dann sah man hier und da die rot-wei\u00df-gestreiften kleinen Zuckerstangen im Sonnenlicht funkeln. Und auch mit den verlegten oder verlorenen Wichtelm\u00fctzen hatten seine Freunde recht. Hier und da lagen sie, mal auf einer Bank herum, mal unter einem schattigen B\u00e4umchen.<\/p>\n<p>Benny machte sich sofort auf die Socken und sammelte M\u00fctzen, Gl\u00fccksklee und Zuckerstangen, soviel er schleppen konnte. Und nat\u00fcrlich halfen ihm seine drei neuen Freunde Tiki, Flinn und Puck beim Sammeln und Tragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die kr\u00fcmelige Kekskasse<\/strong><\/p>\n<p>Danach ging\u2018s ab in die kr\u00fcmelige Kekskasse. Der Kassenwichtel staunte nicht schlecht, als er sah, was die Vier da so alles anschleppten.<\/p>\n<p>\u201eJa ja ja, wer den Gl\u00fccksklee nicht ehrt, ist den Kekstaler nicht wert! Zeigt mal her, was ihr da so alles Wichteliges eingesammelt habt. Oh oh oh, sooo viele M\u00fctzen und Zuckerstangen habe ich aber schon lange nicht mehr gesehen. Da muss ich aber erst mal ausrechnen, was ich da an Kekstalern rausr\u00fccken muss.\u201c<\/p>\n<p>Er schaute auf Benny und musterte ihn von oben bis unten. Dann sagte er anerkennend: \u201eJa ja ja, ein nettes B\u00fcrschlein haben wir da! Hier hast du ein wichteliges Anmeldeformular. F\u00fclle das gewissenhaft aus, damit ich dir ein Kekskonto er\u00f6ffnen kann, nachdem ich gez\u00e4hlt habe.\u201c<\/p>\n<p>Benny sah auf das Formular. Da stand:<\/p>\n<p>Name: _____________________________<\/p>\n<p>und darunter:<\/p>\n<p>Passwort: __________________________<\/p>\n<p>\u201eWie?\u201c, dachte sich Benny, \u201eMehr nicht? Keine Adresse, Geburtsdatum, Kinderkrankheiten, Eltern, Religion, Gr\u00f6\u00dfe, Gewicht, Passbild, Fingerabdruck und Aufenthaltsgenehmigung, wie in der Menschenwelt?\u201c<\/p>\n<p>Benny trug schnell seinen Namen ein. Und als Passwort nahm er \u2026 \u201eechte-freunde\u201c<\/p>\n<p>Dann gab er das Antragsformular beim Kassenwichtel ab. Der sortierte es in einem riesigen Karteikasten ein. Dann nahm er ein leeres Sparbuch und schrieb Bennys Namen darauf. In das Sparbuch trug er gewissenhaft ein: <strong>Guthaben: 1.500 Kekstaler.<\/strong><\/p>\n<p>Benny hob sofort 500 Kekstaler ab, um etwas Kleingeld zum Bezahlen zu haben. Der Kassenwichtel nahm das Sparbuch und schrieb hinein:<\/p>\n<p>Guthaben 1.500 Kekstaler<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 500 Kekstaler<\/span><\/p>\n<p>=\u00a0\u00a0\u00a0 1.000 Kekstaler<\/p>\n<p>Neues Guthaben: 1.000 Kekstaler<\/p>\n<p>Dann legte er das Sparbuch in einen riesigen Tresor, und gab Benny seine 500 Kekstaler mit den Worten: \u201eGib\u2018 aber nicht alles auf einmal aus!\u201c Dann lachte er laut \u00fcber seinen, wie er meinte, gelungenen Scherz. \u201eHar har har har\u201c, lachte der Kassenwichtel noch immer, als unsere Freunde gut gelaunt die kr\u00fcmelige Kekskasse verlie\u00dfen.<\/p>\n<p>\u201eSo, \u201c sagte Puck, \u201ejetzt besuchen wir mal den Nachrichtenwichtel. Der sitzt in der neugierigen Nachrichtenzentrale dort dr\u00fcben. Oioioi, pass\u2018 aber auf, dass er dir keine L\u00f6cher in den Bauch fragt.\u201c<\/p>\n<p>Benny blickte schnell auf seinen Bauch und steckte zur Sicherheit noch einmal sein Hemd in die Hose. Dann folgte er den drei Wichteln in die Nachrichtenzentrale.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die neugierige Nachrichtenzentrale<\/strong><\/p>\n<p>\u201eHalli Hallo Halll\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6cheeeen!\u201c begr\u00fc\u00dfte sie der Nachrichtenwichtel. Dabei wackelte der Stift, den er als Erkennungszeichen immer hinter seinem linken Ohr trug bedenklich auf und ab. \u201eWen haben wir denn da? Ein Neuling in der Wichtelwelt! Das muss gedruckt werden! Wir machen eine Sondersendung! Wir bringen einen superwichteleiligen Newsletter heraus! Wir drucken ein Exlusiv-Interview in der M\u00fctzelbacher Morgenpost! Wir \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eStopp, Stopp!\u201c Flinn stellte sich in Positur und verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust, wie ein Erwachsener: \u201eNicht so schnell Nachrichtenwichtel. Wir wollen ja nicht gleich alles heraus posaunen \u00fcber unseren Menschling hier. Der ist ja noch nicht mal richtig angekommen in unserer Wichtelwelt. Wer wei\u00df, ob es ihm \u00fcberhaupt hier gef\u00e4llt?!?\u201c Dabei schaute Flinn schnell r\u00fcber zu Benny, um zu sehen, wie er reagierte.<\/p>\n<p>Aber Benny reagierte \u00fcberhaupt nicht. Denn er blickte fasziniert in eine Glaskugel, die auf einem Regal an der Wand stand. Und in der Glaskugel sah er etwas, was ihm irgendwie nicht so recht gefiel: Drei Gestallten sa\u00dfen auf einer Lichtung im Wald um ein Lagerfeuer. Einer der drei zeichnete etwas auf den Boden, was aussah, wie ein Plan. Aber Benny konnte nicht genau sehen, was da genau gezeichnet wurde. Er ging noch n\u00e4her an die Kugel heran und mit einem lauten Knall viel sie hinunter und rollte scheppernd \u00fcber den Boden.<\/p>\n<p>Benny hatte sie aus Versehen mit seiner Nase vom Regal gesto\u00dfen. Unbeholfen tapste er hinter der Kugel her, um sie wieder aufzuheben. Sie landete genau vor den F\u00fc\u00dfen des Nachrichtenwichtels. Der hob sie kopfsch\u00fcttelnd auf und stellte sie wieder auf ihren Platz im Regal. \u201eTss tss tsss\u201c, machte der Nachrichtenwichtel, \u201ekaum hier und schon rei\u00dft er mir die Bude ab, zerst\u00f6rt mein Inventar, zerkratzt mir den Boden, fackelt mein Dach ab, walzt ganz M\u00fctzelbach nieder\u2026 oh Weh und Jammer \u2026 die Wichtelwelt ist verloren! \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eOk!\u201c Tiki hielt dem Nachrichtenwichtel den Mund zu, \u201ejetzt wei\u00dft du, weshalb er der Nachrichtenwichtel ist. Er \u00fcbertreibt gerne ma\u00dflos und macht aus jeder M\u00fccke sofort einen Elefanten. Also, das ist Benny. Benny kommt in friedlicher Absicht und will dir nur guten Tag sagen. Also benimm dich jetzt mal wieder!\u201c<\/p>\n<p>Der Nachrichtenwichtel taxierte Benny von oben bis unten. Dann sagte er l\u00e4chelnd: \u201eHall\u00f6chen Hall\u00f6chen, mein neuer Freund. Wie geht\u2019s, wie steht\u2018s denn so in der Menschenwelt? Was macht ihr so? Hast du ein Geheimnis? Hattest du schon irgendwelche schlimmen Krankheiten? Was machen deine Eltern? Wie bist du in der Schule? Hast du schon mal was Schlimmes gemacht? Wie gro\u00df bist du? Wie als bist du? Wie viel wiegst du? Wei\u00dft du, alle behaupten zwar, ich sei neugierig, aber das stimmt nicht. Ich bin nur hilfsbereit! Ich entlaste quasi dein Gewissen! Wenn du irgendwas Interessantes zu sagen hast, aber nicht wei\u00dft, wem du das sagen sollst, dann helfe ich dir. Sag\u2019s einfach mir. Ich bin verschwiegen, wie ein maulloser M\u00fctzelmulch. F\u00fcr jede Neuigkeit, die ich noch nicht wei\u00df, bekommst du von mir 100 Kekstaler! Also mein kleiner Freund: Immer raus mit der Sprache, immer raus mit der Sprache!\u201c<\/p>\n<p>Der Nachrichtenwichtel legte freundschaftlich seinen Arm um Benny und klimperte zur Best\u00e4tigung in seiner Tasche mit ein paar Kekstalern, sofern man das Klimpern von Kekstalern \u00fcberhaupt als Klimpern bezeichnen kann. Denn es h\u00f6rte sich eher an, wie ein knarzendes Br\u00f6seln.<\/p>\n<p>Genervt verdrehten Tiki, Flinn und Puck die Augen. \u201eImmer das Gleiche, mit diesem Nachrichtenwichtel \u2026tss!\u201c<\/p>\n<p>Schnell zogen sie Benny aus der Umklammerung des nach Neuigkeiten lechzenden Wichtels und st\u00fcrmten aus der neugierigen Nachrichtenzentrale.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die besondere Bilderburg<\/strong><\/p>\n<p>\u201eJetzt gehen wir mal in die besondere Bilderburg und sehen uns die neuesten 10 Bilder an.\u201c Flinn machte eine Kopfbewegung, knipste ein Auge zu und schaute mit dem anderen \u00fcber seinen ausgestreckten Daumen. Das hatte er mal bei einem waschechten Wichtel-Kunstkenner gesehen, als der ein Bild begutachtete.<\/p>\n<p>So gingen sie auf das wohl gr\u00f6\u00dfte Haus in M\u00fctzelbach zu. Jedenfalls hatte es die gr\u00f6\u00dfte und sch\u00f6nste Fassade. Was dahinter kam, war allerding nicht mehr so gro\u00df.<\/p>\n<p>Flinn erkl\u00e4rte im Stile eines Fremdenf\u00fchrers weit ausholend: \u201eUnd hier haben wir die besondere Bilderburg. Es gibt ein Wichtelgesetz \u00fcber das Aufh\u00e4ngen von Bildern. Es d\u00fcrfen n\u00e4mlich aus baulichen Gr\u00fcnden nie mehr, als 10 Bilder aufgeh\u00e4ngt werden. Deshalb stimmt ein besonders kunstkennerisches Wichtelgremium dar\u00fcber ab, welche 10 Bilder gerade aufgeh\u00e4ngt werden und wie lange. Treten Sie ein, mein Herr!\u201c<\/p>\n<p>Mit einer ausholenden Armbewegung zog Flinn die T\u00fcr auf und sie traten ein. Benny war erstaunt. Denn im Gegensatz zu den riesigen R\u00e4umen in der Menschenwelt, hatte diese Ausstellungshalle einen schmalen Gang, an dessen linker Wand die 10 Bilder hintereinander hingen.<\/p>\n<p>Der Bilderwichtel rief: \u201eHerrreinspaziert, herreinspaziert, die wicheligen Wichtel und Nichtwichtel. Bewunnnndern sie die neueste Ausstellung, die ich f\u00fcr Sie ausgestellt habe. Diese zehn Bilder sind momentan das Nonplusultra an Kunst aus der Wichtelwelt.\u201c<\/p>\n<p>Wichtig kraulte sich der Bilderwichtel den Bart. Dann begann seine lange Nase zu zucken und der Bilderwichtel legte einen Nieser hin, dass sich die Bilderrahmen bogen.<\/p>\n<p>Benny ging stumm an den Bildern vorbei. Er dachte sich: \u201eHm, die sehen irgendwie alle so aus, wie die Bilder, die ich im Kindergarten gemalt habe. Das ist also moderne Wichtelkunst.\u201c Dann beschloss er, dass er beim n\u00e4chsten Mal nicht vergessen d\u00fcrfe, ein paar seiner Bilder mit in die Wichtelwelt zu nehmen. K\u00f6nnte ja sein, dass er es hier zu einem ber\u00fchmten K\u00fcnstler bringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das sagenhafte Singsangsurium<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUnd wo wir gerade bei der Kunst sind, gehen wir jetzt noch r\u00fcber ins sagenhafte Singsangsurium.\u201c meinte Tiki. \u201eIch habe Lust auf ein kleines T\u00e4nzchen. Du vielleicht auch Benny?\u201c<\/p>\n<p>Dabei schaute sie Benny mit einem ihrer tiefgr\u00fcndigen Blicke an, dass ihm ganz mulmig wurde. Aber irgendwie h\u00e4tte er es schon toll gefunden, mit einem echten Wichtelm\u00e4dchen eine flotte Runden aufs Parkett zu legen. Er wollte gerade antworten, als Flinn ihm ins Wort viel: \u201eIch kann viel besser tanzen, als so ein Erdling. Au\u00dferdem hast du mir beim letzen Mal eine Tanz versprochen!\u201c<\/p>\n<p>Puck musste laut lachen und tanzte watschelnd um sie herum. Dabei sang er aus Leibeskr\u00e4ften: \u201eFlinn ist verliehibt. Flinn ist verliehibt! Flinn ist \u2026\u201c \u201eSei still du Zwerg, sonst werfe ich dich dem schwieligen Schlammtroll zum Fra\u00dfe vor!\u201c, schimpfte Flinn und guckte dabei verlegen zu Tiki hin\u00fcber.<\/p>\n<p>\u201eWar doch nur Spa\u00df\u201c, entgegnete Puck, \u201cKomm, wir vertragen uns wieder. Ist doch nicht schlimm, wenn du in Tiki verliebt bist!\u201c<\/p>\n<p>\u201eJetzt sei endlich still!\u201c Tiki schaute Benny etwas verlegen an. Dann zeigte sie auf ein Haus, das aussah, wie ein riesiger K\u00fcrbis mit Antenne. \u201eDas ist das sagenhafte Singsangsurium. Da kannst du f\u00fcr ein paar Kekstaler die tollste Musik h\u00f6ren. Aber du kannst nat\u00fcrlich auch selber singen und tanzen, wenn du m\u00f6chtest.<\/p>\n<p>Du darfst nur nicht den Liederwichtel wecken. Der nimmt sich immer so wahnsinnig, wichtelig wichtig und versucht immer alle Lieder mitzusingen \u2013 und das h\u00f6rt sich schrecklich an!\u201c<\/p>\n<p>\u201eOioioioi!\u201c, sagte Puck zur Best\u00e4tigung und hielt sich die Ohren zu, als h\u00f6re er jetzt schon das f\u00fcrchterliche Gesinge des Liederwichtels.<\/p>\n<p>So betraten sie das Singsangsurium. In der Mitte stand eine riesige Musikbox, die alle Lieder enthielt, die jemals in der Wichtelwelt gesungen wurden. Und alle Wichtel kannten alle Lieder auswendig. Denn bei den Wichteln sog man die Lieder mit der Muttermilch auf und verga\u00df sie sein ganzes Leben lang nicht mehr. Hinter der Musikbox h\u00f6rte Benny ein sonores Schnarchen und er sah, wie zwei F\u00fc\u00dfe immer mal wieder neben der Box auftauchten. Als er n\u00e4her kam, sah er den dicken Liederwichtel in seinem Schaukelstuhl sitzen, auf uns ab wippen und tief und fest schlafen. In seinem Mundwinkel wippte eine kalte Pfeife. Der Liederwichtel hatte ein T-Shirt mit dem Aufdruck der wichtwachteligen Wunderwusler an, einer popul\u00e4ren Wichtelband.<\/p>\n<p>Flinn holte ganz erwachsen einen Kekstaler aus der Tasche, schnippte ihn mit dem Daumen in die Luft und fing ihn noch viel erwachsener wieder auf. Mit einem Seitenblick vergewisserte er sich, dass Tiki seinen tollen Trick auch wirklich gesehen hatte. Dann nahm er den Keks und warf ihn in den Schlitz der Musikbox. Er \u00fcberlegte kurz und w\u00e4hlte dann das Lied:<\/p>\n<p><strong>Was wichtelt dort wichtelig durch die wundersch\u00f6ne Wichtelwelt. Es ist mein Wichtelheld mit seinem Wichtelgeld.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAu Mann\u201c, meinte Benny, \u201eihr habt hier aber lange Namen f\u00fcr eure Lieder.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist noch gar nichts\u201c, erwiderte der kleine Puck voller Stolz, \u201emanche Lieder haben l\u00e4ngere Namen, als die Musik dauert.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAh ja!\u201c, sagte Benny, obwohl er nichts verstanden hatte. Denn die Musik war so laut, dass ihm die Ohren dr\u00f6hnten. Tiki kam auf ihn zu, nahm ihn in den Arm und drehte ein paar Runden im Takt der Musik.<\/p>\n<p>Dabei sang sie, einige Fetzen vom Text mit, die ihr besonders gefielen:<\/p>\n<p>\u201e\u2026 kamst du bei mir vorbei, mit deinem Wichtelblick, und mein Kopf machte Nick Nick Nick \u2026\u201c oder<\/p>\n<p>\u201eich wichtelte um dich herum und war ganz dideldum, und meine Wichtelm\u00fctze flog in eine Pf\u00fctze \u2026\u201c oder auch<\/p>\n<p>\u201ekomm mit du gro\u00dfer blonder Wuselwicht ich koche dir mein Leibgericht \u2026\u201c<\/p>\n<p>und noch viele weitere Textfetzen. Aber die konnte sich Benny nicht merken, weil ihm ganz schwindelig wurde vom vielen Drehen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich ert\u00f6nte ein markersch\u00fctternder schrecklicher Gesang: \u201eWas wichtelt dort wichtelig durch die wundersch\u00f6ne Wichtelwelt. Es ist mein Wichtelheld mit seinem Wichtelgeld!\u201c<\/p>\n<p>Der Liederwichtel war aufgewacht und sang aus vollem Herzen den Refrain mit. Aber so falsch, dass sich die Balken des Hauses nach au\u00dfen bogen und bestimmt w\u00e4re das sagenhafte Singsangsurium auseinander geflogen, wenn nicht in dem Moment ein kurzfristiger Stromausfall das Lied unterbrochen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>\u201eOioioi, das war bestimmt der Spielewichtel. Der bastelt garantiert wieder an einem neuen Spiel und hat einen Kurzschluss verursacht\u201c, folgerte Puck, \u201eJetzt lasst uns schnell hier verschwinden, bevor der Strom wieder da ist und der Liederwichtel weiter singt! Wisst ihr noch, beim letzten Fest hat er in nur 10 Wichtelminuten einen ganzen Saal leer gesungen.\u201c<\/p>\n<p>Der Liederwichtel schaukelte zufrieden auf seinem Stuhl und grummelte unverst\u00e4ndliche Wortfetzen in sich hinein. Benny verstand nur \u201eSrgfrztzs \u2026\u201c Was immer das auch bedeuten sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die spannende Spielespelunke<\/strong><\/p>\n<p>Alle waren froh, als sie endlich wieder an der frischen Luft waren, bevor der Strom wieder da war. \u201ePuhh\u201c, sagte Tiki, die noch immer ganz rot im Gesicht vom Tanzen war, \u201edas war knapp. Fast h\u00e4tte uns der Liederwichtel die Ohren weggesungen. Gott sei Dank hat der Spielewichtel uns mit seinem Stromausfall gerettet. Wir k\u00f6nnen ja mal kurz hingehen und uns bedanken. Dann kannst du gleich mal die spannende Spielespelunke kennen lernen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum nicht\u201c, antwortete Benny, \u201ewo wir schon mal dabei sind. Aber danach machen wir mal eine Pause! Ich hab\u2018 n\u00e4mlich langsam Hunger!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSieh mal an, unser Menschlein macht schon schlapp!\u201c Flinn pr\u00fcfte kurz, ob er auch erwachsen genug wirkte bei diesem Spruch. Dann fuhr er fort: \u201eOk, helfen wir dem alten Spielewichtel und verdienen uns nebenher noch ein paar Kekstaler. Davon holen wir uns dann ein paar frittierte Blaubaumbl\u00e4tter mit Duftdahlien-Dip und machen eine kleine Snack-Pause.\u201c<\/p>\n<p>Sie n\u00e4herten sich einem turmartigen Geb\u00e4ude, das etwas au\u00dferhalb des Zentrums aber immer noch innerhalb von M\u00fctzelbach stand. Vor dem Haus graste ein komisches Tier, das aussah, wie eine Mischung aus Rentier und Milchkuh. Immer wenn es sich bewegte, rappelte es f\u00fcrchterlich. Aber keiner konnte so richtig feststellen, weshalb es rappelte. Benny suchte heimlich nach irgendwelchen St\u00f6cken oder anderen Sachen, die das Rappeln verursachen k\u00f6nnten, aber er fand nichts.<\/p>\n<p>\u201eEs sind seine Kochen!\u201c Tiki zeigte auf das Tier. \u201eDas ist ein rappeliges Rudelrind. Das einzige auf der ganzen Wichtelwelt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd weshalb hei\u00dft das Rudelrind Rudelrind? Ich sehe kein Rudel.\u201c erwiderte Benny und schaute sich suchend um, ob nicht doch irgendwo eine Herde herumrappelte. Doch das einzige, was er in der Ferne sah, war eine d\u00fcnne Rauchwolke die \u00fcber dem Wald aufstieg.<\/p>\n<p>\u201eDu Dummchen\u201c, neckte Tiki, \u201e das ist das letzte Rudelrind. Seine Artgenossen haben vor langer Zeit beschlossen, so lange im Rudel zu rappeln, bis sie sich in r\u00fcde Randale-Rinder verwandelten. Jetzt ziehen sie durch die endlosen Steppen der Wichtelwelt und randalieren rum. Aber nur, wenn\u2018s keiner sieht. Sobald man sie beobachtet, tun sie so, als w\u00e4ren sie ruhige Rosenrinder, die keiner Fliege was zu leide tun k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n<p>Benny staunte ein paar Minuten vor sich hin. Dann sagte er: \u201e \u00c4hhh ja \u2026 hmmm!\u201c, und tat so, als h\u00e4tte er\u2018s verstanden. Mittlerweile standen sie vor dem Haus. Flinn trat vor und klopfte an der T\u00fcr.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sie warteten, dass die schlurfenden Schritte, die sie von innen h\u00f6rten, immer n\u00e4her kamen, erkl\u00e4rte Flinn, indem er sehr wichtelig den Mund wie ein erwachsener formte und sich \u00fcber seinen nicht vorhandenen Bart strich:<\/p>\n<p>\u201eAlso Benny, der Spielewichtel war fr\u00fcher mal ein gro\u00dfer Erfinder. Nachdem ihm aber ein Experiment fehlgeschlagen war und er das rasanteste Renn-Rentier des Weihnachtsmannes in ein rappeliges Rudelrind verwandelt hatte, h\u00e4ngte er seine Erfinderm\u00fctze an den Nagel und wandte sich dem Gl\u00fccksspiel zu. So wurde er mit der Zeit zum Spielewichtel. Jetzt werkelt er an Spielen rum, um sie noch besser und spannender zu machen, als sie schon sind. Manchmal kommt aber die alte Leidenschaft durch und der Spielwichtel erfindet ein eigenes tolles Spelunken-Spiel. Dann f\u00e4llt meistens der Strom aus. Aber irgendwie bekommt er es wieder in Gang und wir kleinen Wichtel helfen ihm, seine Erfindungen zu testen. Daf\u00fcr gibt er uns immer ein paar Kekstaler.\u201c<\/p>\n<p>Mit einem langen Quietschen \u00f6ffnete sich die T\u00fcr einen Spalt weit und ein Wichtelkopf schaute ihnen entgegen.<\/p>\n<p>\u201eAch, ihr seid\u2018s nur! Na, denn kommt mal rinn, inne gute Stube! Ihr k\u00f6nnt gleich mal meine neue Erfindung testen.\u201c<\/p>\n<p>Der Spielwichtel ging vor und zeigte auf eine riesige Maschine. Benny musste ehrlich zugeben, dass er noch niemals so viele Zahnr\u00e4der und Gelenkarme an einer einzigen Maschine gesehen hatte. H\u00f6chstens mal auf dem Schrottplatz. Aber ein Haufen Schrott war ja keine Maschine.<\/p>\n<p>\u201eOioioi, was ist\u2019n das f\u00fcr eine Maschine?\u201c fragte Puck neugierig und watschelte auf das Ding zu.<\/p>\n<p>\u201eDas ist meine einzigartige Praline-Maschine. Dr\u00fccke mal hier auf den roten Knopf. Dann wirst du staunen, was passiert!\u201c Nerv\u00f6s zeigte der Spielewichtel auf den roten Knopf.<\/p>\n<p>Puck wartete nicht lange und dr\u00fcckte ihn so tief, bis sein kleiner Finger fast nicht mehr zu sehen war. Dann begann etwas, was Benny noch nie erlebt hatte: Zuerst rappelte es ganz f\u00fcrchterlich. Dann blinkten ca. 10 Minuten lang alle L\u00e4mpchen in bunten Farben. Pl\u00f6tzlich erhob sich die Maschine und ging ein paar Mal auf und ab. Dabei drehten sich alle Zahnr\u00e4der und quietschten monoton vor sich hin.<\/p>\n<p>Auf einmal wurde der Gang schleppender und die Maschine setzte sich in den n\u00e4chsten Sessel. Sie schlug sich leicht mit einem Gelenkarm auf den Hinterkopf. Dann stie\u00df sie einen lauten R\u00fclpser aus, der so viel Wind machte, dass ihnen fast die M\u00fctzen wegflogen.<\/p>\n<p>Zum Schluss ert\u00f6nte ein kurzes Piepen.<\/p>\n<p>\u201eUnd? Was sagt ihr?\u201c Der Spielewichtel sprang jubelnd im Dreieck, w\u00e4hrend sich die vier Freunde verwundert ansahen.<\/p>\n<p>\u201e\u00c4hhm \u2026 weshalb hei\u00dft die Maschine jetzt Praline-Maschine?\u201c fragte Tiki zaghaft.<\/p>\n<p>\u201eFasse ihr doch einfach mal da in die \u00d6ffnung am Kopf. Dann wirst du sehen, weshalb die Maschine Praline-Maschine hei\u00dft.\u201c br\u00fcllte der Spiele-Wichtel enthusiastisch.<\/p>\n<p>Tiki fasste in das gro\u00dfe Loch und tastete eine Weile darin herum. Dann zog sie erfreut die Hand heraus. Als sie sie \u00f6ffnete lag darin eine Schoko-Karamell-Praline.<\/p>\n<p>\u201eWouw, beim wuscheligen Wunderwicht, das ist mal eine gute Maschine!\u201c Tiki steckte sich die Praline in den Mund und machte ein genussvolles Gesicht. \u201eUnd echt lecker, die Praline!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHab\u2018 ich doch gesacht! Hab\u2018 ich doch gesacht!\u201c br\u00fcllte der der Spielewichtel und jeder musste mal auf den roten Knopf dr\u00fccken. Als alle ihre Praline hatten, pfiff die Maschine ersch\u00f6pft aus dem letzten Loch.<\/p>\n<p>Alle kauten auf ihrer leckeren Praline und Benny fragte mit halbvollem Mund: \u201eEins verstehe ich nicht: Warum hei\u00dft du eigentlich Spielewichtel, wenn du solche Maschinen baust?\u201c<\/p>\n<p>\u201eTja tja tja \u00e4hhh tj\u00e4 tj\u00e4 tj\u00e4 \u00e4hh \u2026 nun\u201c, stammelte der Spielewichtel, \u201eweil ich ab und zu auch mal ein Spiel erfinde. So alle paar Monate oder wann habe ich das letzte Spiel erfunden? Lass\u2018 mich \u00fcberlegen\u2026\u201c er drehte sich um und z\u00e4hlte heimlich an seinen Fingern. \u201eDas letzte als funktionierend bekannte Spiel erfand ich vor genau drei Wichteljahren. Es hie\u00df, glaube ich, MemoQuak. Warte mal \u2026\u201c er drehte sich um und verschwand hinter einigen weiteren Maschinen. Dann kam er in eine Staubwolke geh\u00fcllt wieder zur\u00fcck und stellte einen froschgr\u00fcnen Kasten vor sie hin. \u201eDa isset, mein MemoQuak-Spiel.\u201c<\/p>\n<p>Aber jetzt hatten die kleinen Wichtel und Benny keine Lust mehr zu spielen und versprachen, bald wieder zu kommen um das MemoQuak-Spiel zu testen. Der Spielewichtel gab jedem eine Handvoll Kekstaler und schon waren sie wieder drau\u00dfen vor dem Haus.<\/p>\n<p>Das rappelige Rudelrind guckte ein wenig m\u00fcrrisch aus dem Fell und tat so, als w\u00fcrde es mit gro\u00dfem Appetit Gl\u00fccksklee fressen. In Wirklichkeit hatte es echt die Schnauze voll, auf dieser bl\u00f6den Weide zu stehen und rumzurappeln. Zu gut konnte es sich noch an die Zeiten erinnern, als es das schnellste Renn-Rentier des Weihnachtsmannes war und vor Weihnachten ganz vorne in erster Reihe mit dem Rentier-Schlitten voller Geschenke durch die Luft geflogen war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rollolo<\/strong><\/p>\n<p>Benny schaute sich das eigent\u00fcmliche Tier lange an. Dann kam er zu dem Schluss, dass es doch eher nach einer Milchkuh, als nach einem Rentier aussah.<\/p>\n<p>Das sagte er auch seinen Freunden, die ihm in dieser Frage einstimmig Recht gaben.<\/p>\n<p>\u201eOioioi wenn man von Rentier spricht \u2026\u201c sagte Puck und zeigte auf einen Punkt am Horizont, der schnell gr\u00f6\u00dfer wurde. \u201eRollolo!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWer ist denn das schon wieder?\u201c Benny fixierte den Punkt, der sich, je n\u00e4her er kam in ein Rentier verwandelte.<\/p>\n<p>\u201eDas ist Rollolo, das Rentier. Und ich wei\u00df genau, was er will.\u201c meinte Tiki etwas genervt.<\/p>\n<p>\u201eJou jou jou\u201c, stimmte Flinn zu \u201ejetzt hat er uns schon wieder erwischt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eW.. wie? W..was? W..wer? Wieso erwischt?\u201c Benny schaute perplex in die Runde.<\/p>\n<p>\u201eUi ui ui, da haben wir ja unsere Wichtelheimer. Wieso seid ihr nicht im Kindergarten, hmm?\u201c Rollolo schaute die drei kleinen Wichtel streng an. \u201eSeid ihr schon wieder ausgeb\u00fcchst? Und wer ist denn dieser kleine Wicht? Wo habt ihr den denn her?\u201c Rollolo schaute Benny mit hochgezogenen Augenbrauen an, wenn man das mit den Augenbrauen bei Rentieren so sagen kann. \u201eBist du etwa auch aus dem Kindergarten abgehauen? Oder hast du die kleinen Ausrei\u00dfer hier etwa \u00fcberredet?\u201c<\/p>\n<p>\u201eRollolo, das ist Benny. Er ist ein Menschling und ist zu Besuch hier. Puck hat ihn schluchzen geh\u00f6rt und da sind wir dann aus dem Kindergarten raus, um mal nachzusehen. Vielleicht k\u00f6nnen wir ja helfen, haben wir gedacht \u2026\u201c Tiki schaut schuldbewusst zu Boden.<\/p>\n<p>\u201eSo so, helfen! Ui ui ui, so helfen, wie ihr dem Weihnachtsmann im letzten Jahr geholfen habt, oder was?\u201c Rollolo schaute abwechselnd zu Tiki, Flinn und Puck, \u201eUi ui ui, jetzt ist es eh zu sp\u00e4t und in den Kindergarten lohnt es sich eh nicht mehr. Ich wollte gerade den Weihnachtsmann besuchen. Kommt ihr mit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa!\u201c br\u00fcllte Puck und tanzte watschelnd um Rollolo herum.<\/p>\n<p>\u201eJou Jou Jou\u201c, sagte Flinn cool und verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust. Irgendwie hatte er das Gef\u00fchl, dass seine Stimme ein paar T\u00f6ne erwachsener wirkte, wenn er Jou Jou Jou sagte.<\/p>\n<p>\u201eKlar kommen wir mit. Aber nur, wenn Benny hier auch mit darf!\u201c Tiki schaut Rollolo bittend an und streichelt Benny dabei \u00fcber den Kopf, dass ihm kurzfristig ganz anders wird.<\/p>\n<p>Rollolo tat so, als ob er nachdenke. Dann gab er sich scheinbar geschlagen. \u201eOk, nehmen wir halt auch den Menschling mit. Steigt schon auf!\u201c<\/p>\n<p>Mit einem langgezogenen \u201eHurraaaa!\u201c stiegen unsere Freunde auf Rollolos R\u00fccken und los ging\u2019s zum Weihnachtsmann in den Wuselwald.<\/p>\n<p><strong>Der Weihnachtsmann<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUi ui ui, seid ihr aber schwer!\u201c<\/p>\n<p>Rollolo trabte gem\u00e4chlich \u00fcber die Pr\u00e4rie. Um sie herum lag eine weite Ebene unter dem blauen Himmel der Wichtelwelt. In der Ferne leuchteten schneebedeckte Bergspitzen und in einiger Entfernung zeichnete sich das satte Gr\u00fcn des Wuselwaldes ab.<\/p>\n<p>\u201eDaf\u00fcr, dass ich noch so jung bin, dass ich noch nicht mal fliegen kann, bin ich schon ganz sch\u00f6n stark, oder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas stimmt. Vielleicht bist du aber auch nur so stark, weil du allen Leuten die Lebkuchenvorr\u00e4te wegfrisst!\u201c sagte Puck glucksend.<\/p>\n<p>\u201eUnd vielleicht kannst du deswegen auch noch nicht fliegen, weil du so ein Vielfra\u00df bist!\u201c erg\u00e4nzte Flinn und bemerkte sofort, dass er ganz vergessen hatte, erwachsen zu wirken.<\/p>\n<p>\u201eDu frisst fast so viel, wie der dickb\u00e4uchige Beutelbrumm, der ab und zu mal aus dem Schlaraffenland r\u00fcberkommt.\u201c lachte Tiki.<\/p>\n<p>\u201eWollt ihr mich etwa beleidigen?\u201c fragte Rollolo gespielt beleidigt. \u201eDa m\u00fcsst ihr aber fr\u00fcher aufstehen, wenn ihr mich hier Hops nehmen wollt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eApropos essen. Ich hab\u2018 Hunger!\u201c Bennys Magen knurrte mittlerweile so laut, dass er teilweise Angst hatte, er k\u00f6nnte die Unterhaltung der anderen nicht mehr h\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u201eUi ui ui, neu hier und schon Anspr\u00fcche stellen\u201c, so was habe ich gerne. \u201eOk, dann lege ich mal meinen Galopp-Gang ein.\u201c<\/p>\n<p>Rollolo wurde merklich schneller. Aber nach zirka 100 Metern war es mit der Geschwindigkeit auch schon wieder vorbei.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr deine Kondition k\u00f6nntest du auch mal wieder was tun! Nimm dir ein Beispiel am Weihnachtsmann. Der joggt das ganze Jahr \u00fcber durch den Wuselwald, damit er im Winter durch die Schornsteine passt.\u201c Tiki machte lachend mit den Armen Joggingbewegungen und streckte den Bauch dabei raus, um den Weihnachtsmann nach zu machen.<\/p>\n<p>\u201eJa, der muss ja auch viel tun. Was der am Tag an Keksen in sich reinschaufelt.\u201c erwiderte Rollolo. \u201eDagegen ist mein Lebkuchenkonsum nur ein kleines N\u00fcsschen in einer leeren Haselh\u00f6rnchenbacke.\u201c<\/p>\n<p>So kamen alle gut gelaunt am Wuselwald an. Rollolo trabte jetzt vorsichtig durch den Wuselwald und es war schon bewundernswert f\u00fcr Benny, wie sicher er sie \u00fcber die verschlungenen Pfade f\u00fchrte. Nach einiger zeit kamen sie auf eine riesige Lichtung. In einem Gehege flogen ein paar Renn-Rentiere herum und \u00fcbten kleine Flugeinlagen, wie den dreifachen Rentierschlitten-Looping oder den eingeschneiten Doppeldreher, um den Schlitten, wenn er im Winter auf dem Weg zu den Menschen zugeschneit war, wieder vom Schnee zu befreien.<\/p>\n<p>Auf der Lichtung stand eine tolle H\u00fctte, die Benny dem Weihnachtsmann echt nicht zugetraut h\u00e4tte. Mit Satellitenantenne und allem Pipapo. Vor der H\u00fctte machte der Weihnachtsmann ein paar Kniebeugen. Manchmal geriet er aber aus dem Gleichgewicht, weil sein Bauch im Weg war. Das versuchte er dann zu \u00fcbert\u00fcnchen, indem er so tat, als w\u00fcrde er absichtlich einen Sitestep machen.<\/p>\n<p>\u201eHallo Weihnachtsmann!\u201c, rief Rollolo, \u201eSieh mal, wen ich dir hier mitgebracht habe. Deine Helfer vom letzten Jahr!\u201c<\/p>\n<p>Dabei sprach Rollolo das Wort Helfer irgendwie komisch aus und Benny dachte sich, dass Rollolo vielleicht etwas anderes sagen wollte, als er gesagt hat.<\/p>\n<p>\u201eHo ho ho\u201c, rief der Weihnachtmann und kam ihnen entgegen. \u201eWen haben wir den da? Meine kleinen Helfer aus M\u00fctzelbach. Na, was treibt euch hierher? Ihr wollt mir bestimmt nicht bei der Gymnastik zusehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, wir wollen dir Benny hier vorstellen. Das ist unser neuer toller Freund. Ein gaanz wichteliger!\u201c Tikki sprang von Rollolos R\u00fccken, flog dem Weihnachtsmann in die ausgebreiteten Arme und herzte ihn ganz doll.<\/p>\n<p>Flinn ging gem\u00e4chlich mit wiegenden Schritten, wie ein Erwachsener auf den Weihnachtsmann zu: \u201eJou jou jou, sch\u00f6n dich zu sehen, Weihnachtsmann!\u201c Dabei hob er die Hand und sagte ganz erwachsen: \u201eGive me five!\u201c<\/p>\n<p>Der Weihnachtsmann schaute Flinn von oben bis unten an und sagte bewundernd: \u201eSieh mal einer an. Ho ho ho! Gro\u00df ist er geworden der kleine Flinn!\u201c<\/p>\n<p>Flinn bekam einen ganz roten Kopf vor Stolz und wurde gleich nochmal einige Millimeter gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Jetzt watschelte der kleine Puck auf den Weihnachtsmann zu. \u201eHallo Weihnachtsmann. Du hast aber einen dicken Bauch. Ich dachte, du trainierst den ganzen Sommer \u00fcber.\u201c Dann sprang er dem Weihnachtsmann in die Arme.<\/p>\n<p>Der Weihnachtsmann strich sich verlegen \u00fcber den Bauch. \u201eHm\u201c, grummelte er, \u201ewaren wohl doch zu viele Pl\u00e4tzchen vom Fernseher gestern.\u201c<\/p>\n<p>Dann drehte er sich zu Benny. \u201eUnd wer bist du? Ach ja, der kleine Benny, der jetzt mit seiner Mutter in dem Hochhaus wohnt. Fr\u00fcher war es sch\u00f6ner, als ihr noch das Haus am Wald hattet, oder?\u201c<\/p>\n<p>Benny schossen sofort die Tr\u00e4nen in die Augen und der Weihnachtsmann h\u00e4tte sich am liebsten ohrfeigen k\u00f6nnen, weil er so heftig ins Fettn\u00e4pfchen getreten war.<\/p>\n<p>\u201eHo ho ho, wer wird denn da weinen. Ich komme auch in Hochh\u00e4user. Dort reise ich durch den M\u00fcllschacht oder parke direkt vor den Balkonen. Aber ich verspreche dir hiermit beim linken Hinterhuf meines Hauptrentiers: N\u00e4chstes Weihnachten bist du ein gl\u00fccklicher Menschling! Und alle, die du magst und alle, die dich m\u00f6gen werden beisammen sitzen und eine wohlig warme Weihnacht haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd der Weihnachtsmann bringt euch gaaanz viele wichtelige Weihnachtsgeschenke!\u201c erg\u00e4nzte Puck liebevoll.<\/p>\n<p>Da h\u00e4tte Benny ihn am liebsten in den Arm genommen. Und er hatte das wunderbare Gef\u00fchl, echte Freunde zu haben.<\/p>\n<p>\u201eJetzt wei\u00df ich auch, weshalb das hier wunderbare Wichtelwelt hei\u00dft\u201c, dachte er sich, \u201eweil alle hier so wunderbar sind.\u201c Dann l\u00e4chelte er gl\u00fccklich und augenblicklich war die Traurigkeit verschwunden.<\/p>\n<p>\u201eWas haltet ihr von einem schicken Lagerfeuer, warmen Getr\u00e4nken, leckeren Speisen und unglaublichen Geschichten?\u201c fragte der Weihnachtsmann in die Runde. Das L\u00e4cheln der Anwesenden deutete er richtig: \u201eJa!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die gemeine Gang<\/strong><\/p>\n<p>Nicht weit von der Lichtung, wo der Weihnachtmann wohnte, sa\u00dfen ein paar finstere Gestalten um ein kleines Feuer und schmiedeten finstere Pl\u00e4ne. Der erste sah aus, wie ein Wichtel. Nur waren seine Kleider so grau, wie seine Gesichtsfarbe. Und seine Augen waren irgendwie kleiner als die gro\u00dfen offenen Wichtelaugen, ebenso waren seine Ohren nicht ganz so spitz und gro\u00df, wie die der Wichtel. Jeder Bewohner der Wichtelwelt kannte ihn nur unter dem Namen: der B\u00f6sewichtel!<\/p>\n<p>Sein Herz war nicht aus Gold und nicht am rechten Fleck. Er war noch nicht einmal ein richtiger Wichtel, obwohl er sich der B\u00f6sewichtel nannte. Aber das war aber nur sein K\u00fcnstlername! Sein Herz war links und es war aus Stein. Verbittert schaute der B\u00f6sewichtel in die Glut, als er sagte:<\/p>\n<p>\u201eEr hat uns gesehen, der Menschling! Als er in der Nachrichtenzentrale in die Kugel schaute, hat er uns gesehen! Kennt er unsere Pl\u00e4ne?\u201c<\/p>\n<p>Der B\u00f6sewichtel schaute in die Runde und sein Blick blieb auf einem Wesen h\u00e4ngen, das an H\u00e4sslichkeit nicht zu \u00fcberbieten war. Es hatte kein Fell mehr. Bis auf eine Stelle auf dem Kopf. Nur dort sah man noch die schwarz-wei\u00dfen Streifen und man konnte erahnen, dass es ein Stinktier war. Ein Stinktier mit Haarausfall. Aber wenn man ihm n\u00e4her kam, wusste man sofort Bescheid. Es war ein Stinktier \u2013 zweifellos.<\/p>\n<p>Sein gro\u00dfer Vorteil war: Dadurch, dass er keine Haare mehr hatte, war er ein wahrer Verkleidungsk\u00fcnstler, dem alle Per\u00fccken passten und der jedes Kost\u00fcm anziehen konnte. Und weil er als Kind in der Kirchenschule in der Theatergruppe war, konnte er nahezu perfekt verschiedene Rollen spielen. Selbst sein einziges Manko, seinen unangenehmen K\u00f6rpergeruch, konnte er f\u00fcr sich ausnutzen. Denn immer, wenn er einem was ins Ohr fl\u00fcsterte, vereinten sich sein fieser Mundgeruch und sein abscheulicher Ohrgeruch zu einem giftigen Gemenge, die seine Gespr\u00e4chspartner in eine lange Ohnmacht fallen lie\u00dfen. Deshalb stank auch sein Name zum Himmel, denn jeder in der Wichtelwelt kannte die eine oder andere schlimme Geschichte. Und in der Mehrzahl dieser schlimmen Geschichten tauchte er auf: der kahle Kurt.<\/p>\n<p>Der B\u00f6sewichtel schaute ihn fragend an: \u201eKahler Kurt, was meinst du? Hat er unsere Pl\u00e4ne gesehen?\u201c<\/p>\n<p>Der kahle Kurt zischelte und schmatzte vor sich hin. Dann lie\u00df er eine Wolke schlechter Luft ab, dass seine Kumpane noch etwas mehr von ihm abr\u00fcckten. Dann sagte er:<\/p>\n<p>\u201eAlcho, fenn ihr mich fracht. Ich chage euch: Ter Menchlinch ich uncher Feind. Fier m\u00fcchen ihn fernichten!\u201c<\/p>\n<p>Dabei zog er zischelnd und b\u00f6se grinsend tief die k\u00fchle Waldluftein.<\/p>\n<p>\u201eOter fach meint ihr Chwei?\u201c<\/p>\n<p>Die beiden Angesprochenen sahen sich finster an. Dann sagt der h\u00e4sslichere von beiden:<\/p>\n<p>\u201eGrunz!\u201c Mehr wollte er auch nicht sagen. Denn der grantelnde Grunz hatte schon immer wenig gesagt. Er war eher ein Meister der Verstellung. Der grantelnde Grunz war ein Wildschwein. Aber er hatte ein Gebrechen: ein Holzbein. Aber dieses Holzbein nutzte er aus, um Wichtel zu k\u00f6dern. Er setzte sich an die Stra\u00dfe und tat so, als w\u00e4re er eine arme Sau. Und wenn dann ein Wichtel kam, um ihm zu helfen, dann schnappte die Falle zu.<\/p>\n<p>Der Vierte im Bunde war neu in der Gruppe. Er hatte eine gr\u00e4uliche Farbe und auch er war nicht perfekt. Sein R\u00fcssel war so lang, dass er am Boden schleifte. Deshalb dachte er sich: \u201eWelche Sau will schon ein Wildschwein, das so einen langen R\u00fcssel hat, dass er am Boden schleift?\u201c Also beschloss er, b\u00f6se zu werden und sich der gemeinen Gang, so nannten sich die finsteren Gesellen um den B\u00f6sewichtel und dem kahlen Kurt, anzuschlie\u00dfen. Fortan ward er nur noch der rostige R\u00fcssler genannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der fiese Plan<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIch klaube nicht, dass der Erdlink was kesehen hat\u201c, schniefte der rostige R\u00fcssler. Denn weil er so einen langen R\u00fcssel hatte, h\u00f6rte er sich beim Sprechen immer etwas verschnupft an. \u201eEr scheint mir doch etwas dumm zu sein. Au\u00dferdem, was soll\u2018s ihn interessieren? Er hat kein Herz aus Gold, was man ihm stehlen kann!\u201c<\/p>\n<p>\u201eOk ok.\u201c zischelte der B\u00f6sewichtel, \u201eAlso gehen wir weiter nach folgendem Plan vor: Wir stehlen die goldenen Herzen der Wichtel und ersetzen sie durch Herzen aus Feigwurz. Die Feigwurz wird sie feige machen und sie werden unsere Diener. Dann gehe ich mit den Herzen in die Menschenwelt und verkaufe sie. Von dem Geld bauen wir in der Wichtelwelt Hotels und Swimmingpools und Riesenr\u00e4der und Vergn\u00fcgungsparks \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u2026 und ganch fiele Tuftchprays chum friche Luft machen!\u201c unterbrach ihn der kahle Kurt. \u201eUnt tann holen fir unch tie Tourichten auch tem Chlaraffenland unt ten anteren ch\u00f6nen Orten im Uniferchum. \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u2026 und scheffeln eine Menke Kohle!\u201c, erg\u00e4nzte der rostige R\u00fcssler schn\u00fcffelnd.<\/p>\n<p>Der grantelnde Grunz sp\u00fcrte pl\u00f6tzlich in die Luft und sog tief die frische Waldluft ein:<\/p>\n<p>\u201eIch rieche kleine Wichtel! Und ich wei\u00df auch schon wo die stecken. Bestimmt h\u00e4ngen die wieder beim Weihnachtsmann rum. Vielleicht sollten wir gleich mit denen anfangen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber wir m\u00fcssen aufpassen! Der Weihnachtsmann ist gef\u00e4hrlich und trotz seines Gewichtes nicht zu untersch\u00e4tzen!\u201c gab der B\u00f6sewichtel zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eAlcho, wenn ihr mich fragt: mir chtinkt die Chache ganch gewaltich\u201c, warf der kahle Kurt ein, \u201eFir chollten ercht tie anteren Fichtel aufs Korn nehmen. Unt for allen Tingen chollten fir ten Menchling nicht unterch\u00e4tchen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSeit wann bist du denn so ein Feiklink?\u201c, schn\u00fcffelte der rostige R\u00fcssler. \u201eDu bist doch sonst immer der erste, der kanz schnelle Erfolke sehen will!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hab ta halt cho eine Ahnung \u2026und meine Ahnungen t\u00e4uchen mich facht nie!\u201c Der kahle Kurt schaute in die Runde. \u201eOk, chtimmen fir ab. Fer ich taf\u00fcr, tach fir chofort zuchlagen?\u201c<\/p>\n<p>Alle hoben die Hand. Der kahle Kurt gab sich geschlagen. \u201eOk, tann fangen fir halt chofort an. Aber tenkt an meine Forte!\u201c<\/p>\n<p>Alle taten so, als w\u00fcrden sie an seine Worte denken. Aber in Wirklichkeit war jeder dieser Schurken schon in Gedanken bei dem Geld, was sie f\u00fcr die goldenen Wichtelherzen bekommen w\u00fcrden. Die gemeine Gang l\u00f6schte das Lagerfeuer und machte sich still auf den Weg zum Lager des Weihnachtsmannes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie alles begann<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Freunde Benny, Flinn, Tiki, Puck, Rollolo und der Weihnachtsmann sa\u00dfen gut gelaunt um ihr Lagerfeuer und erz\u00e4hlten sich wichtelige, lustige und spannende Geschichten aus der wunderbaren Wichtelwelt. Dabei waren oft Abenteuer, die Tiki, Flinn und Puck erlebt hatten, nachdem sie mal wieder aus dem Kindergarten ausgeb\u00fcchst waren, um anderen zu helfen. Und sie endeten meistens in irgendeiner Bredouille, aus die sie Rollolo oder Weihnachtsmann wieder befreien mussten.<\/p>\n<p>Oft konnte Rollolo Schlimmeres verhindern, indem er die drei kleinen Ausrei\u00dfer schon vorher wieder einfing und zur\u00fcck in den kunterbunten Kindergarten schickte.<\/p>\n<p>Oft halfen aber auch die F\u00e4higkeiten Flinns, tolle Werkzeuge zu bauen oder die St\u00e4rke und die Kletterfertigkeiten von Tiki, den Dreien aus der Patsche, in die sie Puck \u2013 nicht immer, aber meistens \u2013 gebracht hatte.<\/p>\n<p>Benny dachte den ganzen Abend schon \u00fcber irgend etwas nach und er war nicht so ganz bei der Sache. Das merkten auch die Anderen, besonders Tiki, die mittlerweile eine tiefe Zuneigung f\u00fcr Benny empfand.<\/p>\n<p>\u201eWas ist los mit dir, Menschling? Wor\u00fcber denkst du nach?\u201c fragte sie ihren Freund.<\/p>\n<p>\u201eAch, ich frage mich die ganze Zeit, wie die Wichtelwelt entstanden ist. Und wo sie eigentlich ist. Jeder wei\u00df, wo Afrika, Europa oder Emden ist. Aber wo liegt die Wichtelwelt? Und warum sind hier keine Menschenkinder oder \u00fcberhaupt Menschen, wo es doch bei euch so toll ist?\u201c<\/p>\n<p>Benny blickte fragend in die Runde. Dann r\u00e4usperte sich der Weihnachtsmann und atmete so tief ein, dass er noch einmal um einiges dicker wirkte.<\/p>\n<p>\u201eAlso mein kleiner Menschenfreund, das ist eine lange Geschichte. Und daf\u00fcr brauchen wir noch mal einige Pl\u00e4tzchen. Tiki, hol\u2018 doch mal den Sack da dr\u00fcben. Da sind, glaube ich, noch ein paar Kekse drin.\u201c<\/p>\n<p>Tiki ging los und kam mit einem riesigen Sack voller Pl\u00e4tzchen zur\u00fcck. Alle a\u00dfen ein paar und der Weihnachtsmann zirka das Doppelte.<\/p>\n<p>\u201eNun gut\u201c, sagte der Weihnachtsmann kauend. Dann strich er sich \u00fcber den Bart und fing an:<\/p>\n<p>\u201eVor langer, langer Zeit, als das Universum noch in den Kinderschuhen war, gab es nur das Nichts. Es war riesig. So viel Nichts auf einmal, hatte es bis dahin noch nie gegeben. Aber dem Nichts fehlte etwas und es war sehr traurig. Es rief daraufhin die beiden gr\u00f6\u00dften und bekanntesten Geister Ludger, den Luftgeist und Erich, den Elementargeist zu sich, um zu beratschlagen, was nun aus ihm, dem Nichts werden sollte.<\/p>\n<p>\u201eIch bin nur ein Nichts\u201c, sagte das Nichts traurig und dabei liefen ihm kein paar Tr\u00e4nen \u00fcber die nicht vorhandenen Wangen. \u201eAber jeder will doch etwas sein. Jeder will doch etwas darstellen im Leben. Ich m\u00f6chte nicht mehr, dass jeder durch mich hindurch guckt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber aber\u201c, meinte Erich, \u201eniemand sieht durch dich hindurch. Es ist ja noch gar niemand da, der durch dich hindurchsehen k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAu\u00dferdem bist du das tollste Nichts, das ich jemals nicht gesehen habe\u201c, erg\u00e4nzte Ludger, der Luftgeist, der ein wenig zum einschleimen neigte.<\/p>\n<p>\u201eOk Jungs\u201c, sagte das Nichts, \u201ewas machen wir?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHm, ich kenne da ein paar Kinderschuhe. In denen steckt noch ein kleines Universum.\u201c sagte der Elementargeist gr\u00fcbelnd.<\/p>\n<p>\u201eAu ja, tolle Idee von dir!\u201c schleimte Ludgar, der Luftgeist, \u201eUnd wenn wir dieses Universum vor die Weltenuhr am Ende der Zeit werfen, k\u00f6nnten wir einen Uhrknall erzeugen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd dadurch w\u00fcrden ganz neue Welten erschaffen. Und diese Welten w\u00fcrden dich, das Nichts mit neuem Leben f\u00fcllen und du h\u00e4ttest ganz viele tolle Planeten, mit denen du spielen k\u00f6nntest.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHm \u2026 tss \u2026 gna, gna, tj\u00e4, tj\u00e4\u201c, dachte das Nichts etwas lauter als \u00fcblich nach. \u201eAber wenn ich doch das Nichts bin, wie soll man das dann alles sehen? Und vor allem: wie kommt man da hin?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa hast du nat\u00fcrlich Recht. Du bist wirklich sehr schlau \u2026 und klug.\u201c erwiderte Ludger, der Luftgeist. \u201eHmm\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201ePhantasie! Ganz einfach! Mit Phantasie!\u201c br\u00fcllte Erich, der Elementargeist. \u201ePasst auf: Es gibt dich doch, sonst k\u00f6nnte man dich ja nicht Nichts nennen. Sobald etwas einen Namen hat, gibt es das auch! Und auch die neuen Welten wird es geben. Auch wenn sie im Nichts existieren, oder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eStimmt! Und weiter?\u201c, entgegnete das Nichts ungeduldig.<\/p>\n<p>\u201eAlle Lebewesen haben Phantasie. Und Tr\u00e4ume und Gedanken. Damit k\u00f6nnen sie \u00fcberall hin, wohin sie wollen. Denn f\u00fcr Phantasie, Tr\u00e4ume und Gedanken gibt es keine Grenzen \u2026\u201c Um sich wichtig zu machen, legte Erich eine kleine Pause ein.<\/p>\n<p>\u201eJa und?\u201c fragte das Nichts und machte sich nicht vor Erwartung in die nicht vorhandene Hose.<\/p>\n<p>\u201eAlso \u2013 wenn es dich gibt und das neue Universum, was in dir entsteht, dann kann man es auch erreichen und sehen und darin herumreisen \u2013 in seinen Gedanken, Tr\u00e4umen und in seiner Phantasie. Und niemand braucht lange zu reisen. Man w\u00e4re sofort da, wenn man will.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAu ja! So machen wir\u2019s!\u201c br\u00fcllte das Nichts vor Begeisterung.<\/p>\n<p>Ludger war so sprachlos, dass ihm keine passenden Worte zum Einschleimen einfielen.<\/p>\n<p>Das Nichts gr\u00fcbelte etwas. Dann sagte es ernst:<\/p>\n<p>\u201eOk, aber in dieses Universum d\u00fcrfen keine erwachsenen Menschen. Nur Kinder!\u201c Seht euch die Erde an und was diese Erwachsenen daraus gemacht haben. Die sollen mir nicht in meinem eigenen Universum die gute Luft verpesten. Wenn ich nicht so ein Nichts w\u00e4re h\u00e4tte ich schon l\u00e4ngst etwas gegen diese Erwachsenen unternommen. Aber so kann ich nun mal nichts dagegen machen.\u201c sagte das Nichts traurig. \u201eIn meinen Welten und Universen sollen Liebe und Verst\u00e4ndnis herrschen. Die Lebewesen sollen einander helfen. Und alle, die sich \u00fcber Generationen daran halten, bekommen ein Herz aus Gold.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist eine sehr gute Idee. So eine gute Idee h\u00e4tte ich niemals haben k\u00f6nnen!\u201c schleimte Erich, der Elementargeist.<\/p>\n<p>\u201eOk, so soll es den geschehen!\u201c befahl das Nichts. Sofort nachdem sie sich aus dem ganzen Schleim, den Erich verspritzt hatte, herausgearbeitet hatten, holten Ludger und Erich, die beiden Geister, das kleine Universum aus den Kinderschuhen und warfen es gehen die Zeitenuhr am Ende aller Zeiten. Es gab so einen lauten Knall, dass die Menschen auf der Erde dachten, ein D\u00fcsenj\u00e4ger h\u00e4tte die Schallmauer durchbrochen.<\/p>\n<p>Aus diesem Uhrknall entstand ein neues riesiges Universum im Nichts. Mit endlosen Welten und sagenumwobenen Galaxien. Und in der sch\u00f6nsten dieser Galaxien, der Wuchtel-Galaxie, entstand ein bunter Planet mit den liebenswertesten Lebewesen im ganzen Universum: die wunderbare Wichtelwelt.<\/p>\n<p>Und weil die Wichtel sich \u00fcber Generationen an die goldenen Regeln des Nichts hielten, die da waren: Liebe, Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit, Freiheit, Offenheit und gegenseitiger Respekt, bekamen die Wichtel im Laufe der Zeit zu Belohnung ein Herz aus Gold.<\/p>\n<p>Das Feuer knackte leise und wie zur Best\u00e4tigung passierte erst mal einen Augenblick lang nichts. Selbst die Uhren blieben eine Zeit lang stehen. Dann schaute Benny den Weihnachtsmann an und sagte: \u201eUff!\u201c<\/p>\n<p>Der Weihnachtsmann grunzte etwas in seinen Bart, was wie \u201eSauerbraten\u201c klang, aber bestimmt anders gemeint war. Dann wischte er sich heimlich eine Tr\u00e4ne aus dem Augenwinkel.<\/p>\n<p>\u201eSo, und jetzt wird aber gefeiert. Sind eigentlich noch Pl\u00e4tzchen da?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Eingang<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEine Frage habe ich noch!\u201c, sagte Benny und sch\u00e4mte ich ein wenig daf\u00fcr: \u201eWas hei\u00dft eigentlich <em>Selbstlos<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWei\u00dft du\u201c, sagte der Weihnachtsmann, \u201edas hei\u00dft einfach, jemandem etwas zu geben, ohne daf\u00fcr eine Gegenleistung zu verlangen. Jemandem zu helfen, nur weil man es gerne tut. Jemandem etwas zu schenken, was er sich selber nicht leisten kann, weil er zu arm ist. Und die einzige Gegenleistung, die man daf\u00fcr erh\u00e4lt, ist die Dankbarkeit, die einem das Herz w\u00e4rmt und die H\u00e4rchen am Arm zu Berge stehen l\u00e4sst &#8211; manchmal. Und wei\u00dft du, weshalb du dieses Wort <em>Selbstlos<\/em> nicht kennst? Weil ihr Menschen es schon lange vergessen habt. Wie ihr nur an Fremdw\u00f6rter denkt, wie Rendite oder Profit. Ihr Menschlinge fragt euch immer: \u201eUnd? Was bekomme ich daf\u00fcr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eUps\u201c, dachte sich Benny, \u201eich habe noch den ganzen Keller voller alter Sachen, die noch wie neu aussehen und ich nicht mehr brauche. Vielleicht kann ich ja jemandem damit eine Freude machen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu hast gefragt, weshalb hier so wenige Menschlinge sind, kleiner Freund.\u201c, fuhr der Weihnachtsmann fort, \u201eGanz einfach! Weil sie keine Phantasie mehr haben. Und weil ihre W\u00fcnsche sich nur um Reichtum und Macht drehen. Und weil sie keine Freunde mehr haben, die ihnen selbstlos helfen, wenn es ihnen schlecht geht. Deshalb haben sie Alptr\u00e4ume und k\u00f6nnen nicht schlafen. Weil sich alles nur um sie selber drehen soll. Und dabei wird ihnen manchmal schwindelig und sie halten sich an Dingen fest, die nicht gut f\u00fcr sie sind.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch so\u201c, sagte Benny schuldbewusst. Denn er konnte sich an einige Situationen erinnern, wo er auch nicht gerade <em>selbstlos <\/em>gehandelt hatte. Zum Beispiel wenn er seiner Mutter nur half, um mehr Taschengeld oder ein Geschenk daf\u00fcr zu bekommen. Ihm wurde ganz \u00fcbel, als er daran dachte.<\/p>\n<p>\u201eSo haben sich die Menschen mit der Zeit einen Panzer aus Eis und K\u00e4lte um ihre Gef\u00fchle gebaut. Nur ganz selten, wenn es ihnen ganz schlecht geht und sie nicht mehr weiter wissen, schmilzt das Eis und wir h\u00f6ren sie hier in der Wichtelwelt. Und nur wenn wir sie h\u00f6ren, k\u00f6nnen wir ihnen helfen.\u201c<\/p>\n<p>Der Weihnachtsmann schaute Benny freundlich an und streichelte ihm \u00fcber den Kopf: \u201eDu bist ein guter Junge. Bleib\u2018 so, wie du bist.\u201c<\/p>\n<p>Tiki, Flinn und Puck nickten zustimmend und l\u00e4chelten zu Benny hin\u00fcber.<\/p>\n<p>Tiki nahm Benny bei der Hand und sagte: Eine Antwort fehlt noch! Du kannst jederzeit in die Wichtelwelt kommen, denn sie ist in deiner Phantasie. Du musst einfach nur die Augen schlie\u00dfen, ganz fest an uns denken und drei Mal sagen:<\/p>\n<p><strong>1, 2, 3 wichtelige Wichtelei \u2013 wunderbare Wichtelwelt komm\u2018 herbei!<\/strong><\/p>\n<p>Aber diese Antwort kanntest du ja schon.<\/p>\n<p>Benny dachte stumm nach. Pl\u00f6tzlich hatte er sehr gro\u00dfe Sehnsucht nach seiner Mutter.<\/p>\n<p>\u201eSo langsam muss ich wieder nach Hause!\u201c, sagte er leise.<\/p>\n<p>\u201eOk, es ist sp\u00e4t und auch die kleinen Wichtel m\u00fcssen so langsam ins Bett.\u201c Rollolo stand auf und sch\u00fcttelte sich einen Berg von Pl\u00e4tzchenkr\u00fcmeln aus dem Fell. Dann machte er ein paar Dehn\u00fcbungen.<\/p>\n<p>Tiki, Flinn und Puck erhoben sich und nahmen den Weihnachtsmann zum Abschied in den Arm. Dann kletterten sie auf Rollolos R\u00fccken. Der Weihnachtsmann winkte ihnen lange nach, bis sie im Geb\u00fcsch verschwanden. Dann r\u00fcmpfte er die Nase. Ein eigenartiger Geruch stieg zu ihm auf und der verhie\u00df nichts Gutes. Also nahm er seinen Sack, packte einen dicken Kn\u00fcppel hinein und machte sich auf den Weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eine \u00fcbler Hinterhalt<\/strong><\/p>\n<p>Rollolo und seine Freunde kamen gut voran. Aber hinter einer Biegung des Pfades sahen sie etwas Komisches \u00fcber den Boden kriechen. Es sah aus, wie ein verletzter Wipfelwelf, eine sehr seltene Vogelart, die normalerweise nur auf den Wipfeln des Wuselwaldes lebt und lauthals Wanderlieder singt.<\/p>\n<p>\u201eUi ui ui\u201c, sagte Rollolo, \u201eSieht aus, wie ein verletzter Wipfelwelf. Wahrscheinlich hat er so laut gesungen, dass ihn die Haselh\u00f6rnchen mit Tannenzapfen beworfen haben. Gut, dass wir zuf\u00e4llig vorbei kommen.\u201c<\/p>\n<p>Benny und seine Freunde kletterten von Rollolos R\u00fccken und eilten zu dem verletzten Vogel. Flinn meinte mit erwachsenen Kennerblick: \u201eDa hilft nichts. Wir m\u00fcssen Mund zu Mund Beatmung machen.\u201c Dabei guckte er Puck an.<\/p>\n<p>Puck freute sich. Denn er hatte im Kindergarten gerade einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. \u201eOioioi\u201c, dachte er, \u201eirgendwie kann man im Kindergarten ja doch Sachen lernen, die man sp\u00e4ter einmal braucht.\u201c Dann watschelte er zu dem Verletzten.<\/p>\n<p>Benny beobachtete, wie Puck sich \u00fcber den Vogel beugte und dann langsam zu Boden sank. \u201eIrgendwas stimmt hier nicht\u201c, dachte er, \u201ewas m\u00fcffelt denn hier so?\u201c<\/p>\n<p>Als Flin und Tiki sahen, dass der kleine Puck zu Boden sank, rannten sie schnell zu ihm hin. Sie beugten sich zu ihm hinunter.\u201c Ein ekliger Gestank umgab sie. Und sie h\u00f6rten eine zischelnde Stimme: \u201eIhr Fichtel, cho chnell geht\u2019s. Gerate noch frei, chon in ter Falle!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer kahle Kurt \u2026\u201c, dachten beide nur voller Schrecken. Dann vielen auch sie in Ohnmacht.<\/p>\n<p>Benny wusste pl\u00f6tzlich, was er zu tun hatte. Er nahm einen gro\u00dfen Stock und lief zu dem scheinbar verletzten Vogel. Als der pl\u00f6tzlich aufstand und sein Gefieder wegwarf. Vor ihm stand nun ein nacktes, stinkendes Etwas, was aussah, wie ein Stinktier ohne Fell \u2013 was es ja auch war. Das Stinktier streckte Benny zur Begr\u00fc\u00dfung die Hand entgegen.<\/p>\n<p>\u201eGechtatten, man nennt mich den kahlen Kurt!\u201c<\/p>\n<p>Benny raste vor Wut. Er schwang seinen Stock und wollte auf den kahlen Kurt los gehen. Doch bevor Benny richtig zuschlagen konnte, traf ihn etwas von hinten am Kopf und ihm wurde schwarz vor den Augen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gefangenschaft<\/strong><\/p>\n<p>Als Benny seine Augen aufschlug, lag er gefesselt auf einer Lichtung. In der Mitte brannte ein kleines Feuer. Rollolo hing mit zusammengebundenen L\u00e4ufen an einem Baum. Voller Panik sah sich Benny nach seinen Freunden um. Dann sah er sie: Sie lagen neben diesem dunkel gekleideten Wichtel, der laut auf sie einredete.<\/p>\n<p>\u201eNa, ihr kleinen Wichtelkinder? Kennt ihr mich noch? Ihr habt mich mal in die Wichtelwelt geholt, als ich nachts ins Bett gemacht habe, weil ich Angst vorm schwarzen Mann hatte. Aber ihr habt mich betrogen! Der schwarze Mann war nur mein Vater. Und ihr seid die einzigen, die wissen, dass ich ins Bett mache. Deshalb muss ich jetzt zur Strafe euer goldenes Herz wegnehmen.\u201c<\/p>\n<p>Der grantelnde Grunz und sein Kumpel, der rostige R\u00fcssler lachten b\u00f6se.<\/p>\n<p>\u201e \u2026 und eure koldenen Herzen machen wir zu Kelt!\u201c schn\u00fcffelte der rostige R\u00fcssler, um den kleinen Wichteln mal so richtig Angst zu machen.<\/p>\n<p>\u201eChei chtill, tu Tummkopf! Choncht gips heut kein Apentprot!\u201c Der kahle Kurt zischelte b\u00f6se weiter vor sich hin, was Benny aber aus der Entfernung nicht verstand.<\/p>\n<p>\u201eJetzt wei\u00df ich, wer du bist. Du bist der kleine Michael, der jede Nacht gejammert hat.\u201c Tiki war jetzt richtig angefressen und scherte sich nicht darum, dass sie gefesselt war. \u201eUnd als wir dir die Geschichte von unseren goldenen Herzen erz\u00e4hlt haben, warst du pl\u00f6tzlich verschwunden.\u201c<\/p>\n<p>Der B\u00f6sewichtel lachte b\u00f6se. \u201eHa ha ha, was seid ihr doch doof. Meint ihr wirklich, dass ihr mit eurem Liebe- und Selbstlos-Getue weiter kommt? Die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Das Gute siegt nicht mehr!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Verrat<\/strong><\/p>\n<p>\u201eJou jou jou!\u201c Flinn blickte den B\u00f6sewichtel fest in die Augen. \u201eDa hast du voll recht. Wenn du mich leben l\u00e4sst, dann helfe ich dir! Ich kann dies dummen Wichtel eh nicht mehr leiden. Ich will reich sein und b\u00f6sartig. Was soll ich mit einem goldenen Herzen? Ein Herz aus Stein, so wie du es hast, das will ich haben.\u201c<\/p>\n<p>Puck und Tiki sahen Flinn entsetzt an.<\/p>\n<p>\u201eD\u2026das ist doch nicht dein Ernst? Flinn!\u201c Tikis Mund bebte, so sehr hielt sie die Tr\u00e4nen der Entt\u00e4uschung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eOioioi, Flinn. Ich dachte immer, du w\u00e4rst mein allerwichteligster Freund.\u201c Puck weinte still in sich hinein. Und am meisten \u00e4rgerte ihn, dass alle seine Tr\u00e4nen sehen konnten. Denn er konnte sie mit seinen gefesselten H\u00e4nden nicht abwischen.<\/p>\n<p>\u201ePapperlapapp!\u201c antwortete Flinn hart und machte eine Grimasse, die wohl Ekel zeigen sollte.<\/p>\n<p>\u201eIch kann euch schon lange nicht mehr sehen. Und schon gar nicht, seitdem dieser Menschling hier ist. Der hat euch doch den Kopf verdreht. Besonders dir, Tiki!\u201c<\/p>\n<p>Tiki fauchte Flinn b\u00f6se an: \u201eWenn ich nicht gefesselt w\u00e4re, ich w\u00fcrde dich \u2026.\u201c, weiter kam sie nicht. Denn auch ihr liefen pl\u00f6tzlich die Tr\u00e4nen \u00fcbers Gesicht. Benny merkte, wie sehr ihn diese Tr\u00e4nen schmerzten und er schwor sich: \u201eWenn ich hier lebend raus komme, dann gebe ich ihr einen Kuss auf die Backe, der sich gewaschen hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu bist also endlich vern\u00fcnftig geworden?\u201c Der B\u00f6sewichtel sah Flinn besserwisserisch an. \u201eDann beweise es mir!\u201c<\/p>\n<p>Er nah ein Messer und schnitt Flinn die Fesseln durch.<\/p>\n<p>\u201eWas soll ich machen?\u201c Flinn rieb sich die schmerzenden Handgelenke. \u201eSags mir und ich tu\u2019s!\u201c<\/p>\n<p>\u201ePicht tu verr\u00fcckt? Tach kanncht tu nicht machen! Pinte ihn chofort fieter an!\u201c Der kahle Kurt sprang aus und lief zum B\u00f6sewichtel Nicht ohne noch einmal eine gro\u00dfe Portion schlechter Luft abzugeben.<\/p>\n<p>Dem grantelnden Grunz und dem rostigen R\u00fcssler, die in der N\u00e4he sa\u00dfen wurde ganz mulmig und sie f\u00fchlten sich pl\u00f6tzlich schwerelos von dem Gestank. Der grantelne Grunz stie\u00df schwach ein grantelndes \u201eGrunz\u201c aus.<\/p>\n<p>Flinn sah den B\u00f6sewichtel an: \u201eSag\u2018 endlich, was soll ich tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGeh\u2018 zu diesem Menschen dort und lasse ihn f\u00fcr immer verschwinden!\u201c der B\u00f6sewichtel zeigte hasserf\u00fcllt auf Benny.<\/p>\n<p>\u201eKein Problem!\u201c, sagte Flinn, \u201eWas soll ich tun? Ihn in Luft aufl\u00f6sen? Oder in einen quengeligen Quint verwandeln? Oder soll ich ihn in Stein verwandeln? Dann haben wir eine sch\u00f6ne Statue hier im Wald.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMach\u2018 was du willst! Hauptsache, er ist danach kein Menschling mehr!\u201c Der B\u00f6sewichtel gab Flinn einen solchen Sto\u00df in Richtung Benny, dass er einige Meter durch die Luft segelte und dann hart auf dem Waldboden landete. Flinn brauchte einige Zeit, um sich aufzurappeln.<\/p>\n<p>\u201eFlinn! Das verzeihe ich dir nie \u2026\u201c Tiki zerrte wild an ihren Fesseln. Puck rollte sich zu ihr hin\u00fcber und versuchte, sie zu tr\u00f6sten.<\/p>\n<p>Benny sah, wie Flinn mit wiegenden Schritten auf ihn zu kam. \u201eJetzt ist es gleich vorbei \u2026\u201c, dachte er. Aber als er genauer hinsah, bemerkte er, dass Flinn in Windeseile etwas vor seinem Bauch bastelte, so, dass die B\u00f6sen hinter ihm nichts sehen konnten.<\/p>\n<p>Dann beugte sich Flinn zu ihm hinunter und br\u00fcllte: \u201eJetzt mache ich dich fertig, Menschling!\u201c, aber dann fl\u00fcsterte er leise: \u201eHier, ich l\u00f6se deine Fesseln etwas, dann kannst du sie \u00fcber die H\u00e4nde streifen. Und hier habe ich dir aus \u00c4sten ein Holzschwert gebastelt. Wenn du es vor deine Stirn h\u00e4ltst und dabei sagst: Wichtel, wird zum Stichtel!, dann verwandelt es sich in ein spitzes Messer. Damit kannst du den anderen helfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber, was wird aus dir?\u201c fragte Benny.<\/p>\n<p>\u201eIch werde versteinern. Denn ich l\u00fcge die ganze Zeit. Und du wei\u00dft ja: Wenn Wichtel l\u00fcgen, verwandelt sich ihr Herz zu Stein. Ich kann dir also nicht weiter helfen. Also beeile dich. Ich werde versuchen, den kahlen Kurt noch etwas zu provozieren, damit er noch ein paar Ger\u00fcche abl\u00e4sst. Er sitzt wieder neben dem grantelnden Grunz und dem rostigen R\u00fcssler. Die Abgase werden sie kampfunf\u00e4hig machen. Und dann musst du handeln. Befreie zuerst Tiki. Sie ist sehr stark!\u201c<\/p>\n<p>Benny sah Flinn tief in die Augen. Dann sagte er nur: \u201eDanke.\u201c<\/p>\n<p>Flinn stand auf und rief: \u201eSo, das war\u2018s. Der Menschling wird sich langsam in eine Steinstatue verwandeln. Dann richtete er Benny aus und lehnte ihn wie eine Statue an den Baum. Benny machte sich ganz steif, damit er auch wirklich wie eine Statue wirkte. Dabei streifte er sich langsam seine Fesseln \u00fcber die H\u00e4nde.<\/p>\n<p>Flinn ging zur\u00fcck zu Feuer und spuckte hinein.<\/p>\n<p>\u201eSo, das w\u00e4r\u2019s.\u201c Dann schaute er den kahlen Kurt an, der neben Grunz und dem R\u00fcssler sa\u00df.<\/p>\n<p>\u201eHey, Glatze! Was sagst du nun? Mann, du bist so h\u00e4sslich, dass ich mich frage, ob dein Vater kein narkotischer Nacktmull war.\u201c<\/p>\n<p>Der kahle Kurt fuhr emp\u00f6rt hoch. Dabei lie\u00df er noch einen ekeligen Wind ab, den Grunz und der R\u00fcssler voll mitbekamen. Wankend sa\u00dfen sie auf ihren Steinen. Ihnen wurde pl\u00f6tzlich sehr \u00fcbel. \u201eFach chagcht tu ta? Tu elenter Furm! Ich ferte tich fertich machen!\u201c<\/p>\n<p>Flinn schaute den B\u00f6sewichtel \u00fcberheblich an. \u201eWas willst du denn mit so einem? Der ist nicht nur h\u00e4sslich, der kann noch nicht mal richtig sprechen!\u201c Flinn merkte pl\u00f6tzlich, dass sein Herz bei dieser Beleidigung sehr schwer wurde. Er hatte nicht mehr viel Zeit.<\/p>\n<p>Der B\u00f6sewichtel sah ihn an. Was ist kos mit dir? Kannst du etwa den Geruch vom kahlen Kurt nicht vertragen? Flinn ging am B\u00f6sewichtel vorbei um das Feuer herum. Als er bei Tiki und Flinn vorbei kam, fl\u00fcsterte er: \u201eVerzeiht mir!\u201c Dann warf er sich mit letzter Karft auf den kahlen Kurt. Sein Herz war zu Stein geworden. Und deshalb lag er so schwer auf Kurt, dass der sich nicht mehr r\u00fchren konnte. Aus lauter Wut lie\u00df er nochmal einen fahren. Das gab dann auch dem grantelnden Grunz du dem rostigen R\u00fcssler den Rest. Langsam sackten sie in sich zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tiki<\/strong><\/p>\n<p>Der B\u00f6sewichtel erschrak, als er Flinn auf dem kahlen Kurt liegen sah, und st\u00fcrzte hinzu um Kurt zu befreien. Auf diese Gelegenheit hatte Benny gewartet. Er legte das Holzmesser an die Stirn, das Flinn gebastelt hatte und sagte schnell: \u201eWichtel wird zum Stichtel!\u201c<\/p>\n<p>Das Holzmesser verwandelte sich in einen Sitzen und scharfen Dolch. Dann rannte Benny los zu Tiki und schnitt ihr schnell die Fesseln durch. Danach befreite er Puck, der ein lautes \u201eOioioi!\u201c ausstie\u00df. Dann spurtete Benny auf den B\u00f6sewichtel zu.<\/p>\n<p>Aber der B\u00f6sewichtel war nicht nur b\u00f6se, sondern auch blitzschnell. Und schon k\u00e4mpften die beiden einen verbissenen Kampf.<\/p>\n<p>Tiki war sofort aufgesprungen und superschnell auf den Baum gekletter, an dem Rollolo hing. Sie lie\u00df ihn hinunter und setzte ihn sacht auf dem Boden ab. \u201eUi ui ui\u201c, sagte Rollolo verdattert. Dann rannte er zu Puck, um ihm zu helfen.<\/p>\n<p>Mittlerweile war Tiki an den K\u00e4mpfenden vorbei geeilt. Und hatte den grantelnden Grunz und den rostigen R\u00fcssler gefesselt. Dann eilte sie zur\u00fcck um Benny zu helfen. Das war auch h\u00f6chste Zeit, denn Benny konnte sich kaum noch wehren. Und er musste einsehen: der B\u00f6sewichtel war sehr stark.<\/p>\n<p>Dann aber sah er Tiki hinter dem B\u00f6sen auftauchen. Sie packte ihn beim Kragen. hob ihn hoch, wie eine Feder und schmiss ihn in weitem Bogen \u00fcber die Lichtung. Der B\u00f6sewichtel landete direkt im offenen Sack des Weihnachtsmannes. Denn auch der Weihnachtsmann war mittlerweile angekommen. Und er sagte sich im Stillen: \u201eVielleicht sollte ich doch weniger Pl\u00e4tzchen essen und etwas mehr trainieren. Das w\u00e4re gut f\u00fcr meine Kondition.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er so dachte, stopfte er auch die bewusstlosen Grunz und R\u00fcssler noch mit in den Sack. W\u00e4re jetzt jemand auf die Idee gekommen, mit dem Kn\u00fcppel drauf zu schlagen \u2013 er h\u00e4tte immer den Richtigen getroffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Puck<\/strong><\/p>\n<p>Flinn lag am regungslos auf der Wiese neben dem Feuer. Tiki kniete vor ihm und weinte still. Benny nahm sie in den Arm und ersuchte, sie zu tr\u00f6sten. Obwohl er wusste, dass das keinen Sinn hatte. Der kleine Puck watschelte traurig hin und her. Rollolo wusste nicht was er tun sollte und sagte immer wieder: \u201eUi ui ui, was f\u00fcr eine Katastrophe. Ui ui ui!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs tut mir leid?\u201c sagte Benny. \u201eIch habe ihn immer f\u00fcr einen Angeber gehalten und konnte ihn nicht so gut leiden, wie dich. Wie kann ich das nur wieder gut machen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst schon gut\u201c, Tiki nahm Bennys Hand und streichelte sie, \u201eIch habe mich auch oft \u00fcber ihn aufgeregt. Und ich habe ihm misstraut. Das h\u00e4tte ich niemals tun d\u00fcrfen.\u201c<\/p>\n<p>Puck hatte sich einen Stock geholt und stocherte traurig in der Glut herum, Dann wischte er sich die Tr\u00e4nen aus dem Gesicht. Er drehte sich zu Tiki und Benny. Dann sagte er ernst: \u201eOioioi, was f\u00fcr ein Tag. Heute Morgen haben wir noch gelacht. Und heute Abend ist es andersherum. Das finde ich nicht angemessen, f\u00fcr diese Situation!\u201c Dabei schaute er so ernst, wie er noch nie aus der W\u00e4sche geschaut hatte.<\/p>\n<p>Als Benny den kleinen Puck so vor sich sah, mit dem ascheverschmierten Gesicht, der ernsten Miene und den gesetzten Worten, konnte er nicht anders.<\/p>\n<p>Er fing an, zu lachen. Und pl\u00f6tzlich viel alles von ihm ab: Die Anspannung, der Stress, die Trauer und \u2026 die Angst. Und er lachte und lachte und sein Lachen war so ansteckend, dass alle mit lachen mussten. Rollolo lachte, dass ihm das Geweih rappelte und Tiki und Flinn lagen sich in den Armen und lachten auch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Flinn<\/strong><\/p>\n<p>Der Weihnachtsmann hielt sich den Bauch und sagte glucksend: \u201eMein lieber Benny, dein Lachen k\u00f6nnte sogar Steine erweichen.\u201c<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich waren alle still. Doch ein leises Lachen drang zu ihnen. Erst schien es so, als k\u00e4me es aus dem Nichts. Dann kam es immer n\u00e4her und n\u00e4her. Bis es langsam von unten zu ihnen hoch drang. Und als sie hinab sahen, lag da Flinn und hielt sich den Bauch, aber nicht vor Schmerzen. Bennys Lachen war einmal durchs Universum gereist, hatte das Nichts angesteckt und Flinns Herz erweicht. Jetzt strahlte es wieder im goldenen Glanz.<\/p>\n<p>Alle sprangen auf Flinn und k\u00fcssten und herzten ihn. Und Flinn fand besonders die K\u00fcsse von Tiki sehr angenehm. Als alle gl\u00fccklich um Flinn standen, fragte Rollolo auf einmal: \u201eUi ui ui, wo ist eigentlich der B\u00f6sewichtel?\u201c<\/p>\n<p>Der Weihnachtsmann st\u00fcrzte zu seinem Sack. Er war leer. Sie hatten vergessen, den kahlen Kurt mit hinein zu tun, als sie Flinn von ihm herunter gerollt hatten. Danach musste er in dem Trubel um Flinn seine Kumpane befreit haben. Jetzt waren sie fort und \u00fcber alle Berge. Das wussten unsere Freund bestimmt, denn es lag kein Geruch mehr in der Luft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abschied<\/strong><\/p>\n<p>M\u00fcde und ersch\u00f6pft kamen Rollolo, Benny und seine Freunde Tiki, Flinn und Puck in M\u00fctzelbach an.<\/p>\n<p>\u201eWas f\u00fcr ein Tag\u201c, dachte Benny. Und dann dachte er: \u201eUnd was f\u00fcr tolle Freunde!\u201c<\/p>\n<p>Er verabschiedete sich von Rollolo und streichelte nochmal sein Fell. Rollolo sagte: \u201eMach\u2019s gut, altes Haus und komm\u2018 bald mal wieder rein.\u201c dann fl\u00fcsterte er ihm zu: \u201eUnd geh\u2018 immer sch\u00f6n in den Kindergarten, sonst bringe ich dich pers\u00f6nlich hin.\u201c<\/p>\n<p>Benny war zu m\u00fcde, um ihm zu sagen, dass er schon in die erste Klasse der Schule ging.<\/p>\n<p>Dann nahm er den kleinen Puck auf den Arm und krabbelte ihm die Nase. \u201eMach\u2019s gut, kleiner Puck. Bis bald!\u201c<\/p>\n<p>\u201eOioioi, dann besuchen wir mal das Wichtelwunschb\u00fcro. Das ist gaanz wichtelig und wird dir gefallen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Wichtelwunschb\u00fcro? Was ist das denn?\u201c fragte Benny neugierig.<\/p>\n<p>Flinn reichte Benny die Hand. Dieses Mal, ohne den Erwachsenen zu spielen.<\/p>\n<p>\u201eMach\u2019s gut Benny. Das mit dem Wichtelwunschb\u00fcro erkl\u00e4ren wir dir, wenn du das n\u00e4chste Mal kommst. Und darauf freue ich mich schon.\u201c Dann dr\u00fcckte er Benny fest an sich.<\/p>\n<p>Tiki fasste Benny an der Hand und streichelte ihm durchs Gesicht.<\/p>\n<p>\u201eGenau kleiner Menschling. Dass mit dem Wichtelwunschb\u00fcro ist eine andere Geschichte. Und versprich\u2018 mir, dass du wieder kommst.\u201c Tiki schaute sch\u00fcchtern zu Boden.<\/p>\n<p>Benny fasste zart unter hier Kinn und drehte Tikis Gesicht zu ihm. Dann gab er ihr einen dicken Kuss auf beide Wangen. Dabei wurde ihm ganz komisch und am liebsten h\u00e4tte er immer so weiter gemacht.<\/p>\n<p>\u201eVersprochen! Ich komme wieder.\u201c, sagte er mit zittriger Stimme, \u201eUnd jetzt m\u00fcsst ihr mir nur noch sagen, wie ich wieder nach Hause komme.\u201c<\/p>\n<p>Die drei kleinen Wichtel schauten Benny erstaunt an: \u201eDu dummer Menschling. Du bist doch zu Hause! Nur nicht in deinem Bett.\u201c<\/p>\n<p>Puck schaute Benny an: \u201eSprich mir nach:<\/p>\n<p><strong>Wichtelige Wichtelei \u2013 nach Hause geh\u2018 ich 1, 2, 3!<\/strong><\/p>\n<p>Benny winkte seinen Freunden noch einmal zu. Dann schloss er die Augen und sagte:<\/p>\n<p><strong>\u201eWichtelige Wichtelei \u2013 nach Hause geh\u2018 ich 1, 2, 3!<\/strong>\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alles ist gut<\/strong><\/p>\n<p>Wie beim ersten Mal drehte sich alles um ihn herum. Nur diesmal in die andere Richtung. Und als Benny die Augen aufschlug, lag er bei sich im Bett. An seinem Bein klebte noch ein kleiner Rest Stoff. Der Rest des kleinen WichtelAnzugs lag zerrissen neben ihm. Schnell schl\u00fcpfte Benny in seinen Schlafanzug. Er \u00fcberlegte, ob er wohl gen\u00fcgend Kekstaler auf dem Konto h\u00e4tte, um sich in der wunderbaren Wichtelwelt ein paar Anz\u00fcge zu kaufen.<\/p>\n<p>Schnell fasste er in die Tasche des zerrissenen Anzugs und holte die 500 winzigen Kekstaler hervor. Er legte sie in seine kleine Spielzeug-Piraten-Schatzkiste. Dann \u00fcberlegte er sich, wie er seine fast unbenutzten Spielsachen, die er nicht mehr brauchte, an die Kinder bringen konnte, die auch damit spielten. Vielleicht sollte er ja ein Wunschb\u00fcro er\u00f6ffnen &#8230;?<\/p>\n<p>Benny schaute auf seinen Wecker und mit Erstaunen sah er, dass erst eine Stunde vorbei war, seitdem er in die Wichtelwelt gegangen war. Das hie\u00df: Ein Wichteltag ist eine Menschenstunde. Gur zu wissen.<\/p>\n<p>Als er sich gerade in sein Kissen kuscheln wollte, ging leise die Kinderzimmert\u00fcr auf und seine Mama kam zu ihm ans Bett. Sie streichelte \u00fcber seinen Kopf und strich ihm z\u00e4rtlich eine Locke aus dem Gesicht. Dabei bemerkte Benny, dass seine Mama weinte.<\/p>\n<p>Langsam setzte er sich auf und nahm ihr Gesicht in beide H\u00e4nde. Dann sagte er:<\/p>\n<p>\u201eDu darfst heute Nacht bei mir schlafen.\u201c<\/p>\n<p>Seine Mama legte sich zu ihm und nahm ihn ganz fest in den Arm. Dann schliefen sie ein.<\/p>\n<p>\u00a9 Andreas Franke<\/p>\n<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=67\" data-text=\"Die wunderbare Wichtelwelt\" data-count=\"horizontal\">Tweet<\/a><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 0;float:none;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=67\" send=\"false\" layout=\"like\" width=\"450\" show_faces=\"true\" font=\"arial\" action=\"\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ShareDie wunderbare Wichtelwelt (eine Geschichte f\u00fcr alle, die an Wunder glauben) Diese Geschichte basiert auf Comicfiguren, die der Cartoonist J\u00f6rg Lassahn (www.cartoonexpress.de) erfunden hat. Die Namen und Charaktere der Wichtel stammen von ihm. 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