{"id":278,"date":"2015-06-03T14:52:50","date_gmt":"2015-06-03T13:52:50","guid":{"rendered":"http:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=278"},"modified":"2015-06-03T14:52:50","modified_gmt":"2015-06-03T13:52:50","slug":"die-geschichte-vom-traurigen-raben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=278","title":{"rendered":"Die Geschichte vom traurigen Raben."},"content":{"rendered":"<div id=\"fb_share_1\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\"><a name=\"fb_share\" type=\"box_count\" share_url=\"https:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=278\" href=\"http:\/\/www.facebook.com\/sharer.php\">Share<\/a><\/div><div><script src=\"http:\/\/static.ak.fbcdn.net\/connect.php\/js\/FB.Share\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/div><p>Es war einmal ein alter kodderiger Rabe, der hatte keinen Bock mehr auf irgendwelche Felder zu fliegen und sich den Bauch vollzuschlagen, mit dem Korn, was diese dummen Menschen seinesgleichen \u00fcbriglie\u00dfen.<\/p>\n<p>So zog er sich seinen w\u00e4rmsten Mantel an, setzte\u00a0 sich in einen alten Baum und schaute seinen j\u00fcngeren Artgenossen zu, wie sie sich unw\u00fcrdig um die letzten Krumen auf dem abgeernteten Feld pr\u00fcgelten.<\/p>\n<p>Unser alter Freund konnte diesen entw\u00fcrdigenden Anblick einfach nicht ertragen und so \u00fcberlegte er sich folgendes:<\/p>\n<p>In Anbetracht der Tatsache, da\u00df es eigentlich ein wundersch\u00f6ner sonniger Tag war und er sich mit seinem sch\u00e4bigen M\u00e4ntelchen wie ein kompletter Vollidiot vorkam, entledigte er sich zun\u00e4chst einmal seines zweiten Kunstgefieders um sich sodann, Federn lassend auf den warmen Boden hinab zu begeben.<\/p>\n<p>Kaum hatten seine kleinen Rabenf\u00fc\u00dfchen diesen ber\u00fchrt, erinnerte er sich seines eigentlichen Vorhabens, sich etwas zu \u00fcberlegen und setzte sich zwischen zwei abgeknabberte \u00c4hren.<\/p>\n<p>Warum in Gottes Namen, wenn es denn einen Gott f\u00fcr kleine alternde Raben gibt, sollte er sich bis an sein kl\u00e4gliches Ende mit irgendwelchen verschissenen Popelk\u00f6rnchen zufrieden geben, die irgendwelche hinterfotzigen Menschen, denen Menschlichkeit ohnehin fremd war, ohnehin nicht haben wollten.<\/p>\n<p>\u201eIn was f\u00fcr eine schei\u00df Geschichte bin ich hier eigentlich geraten? Da wei\u00df ja gar keiner mehr, was ich eigentlich will. K\u00f6nnen sich die da oben nicht mal `n bi\u00dfchen einig sein, was mit mir nun geschehen \u2013 und wie das alles hier mit mir weitergehen soll? Verdammte Kacke!\u201c<\/p>\n<p>Der Rabe zog sich also seinen Mantel wieder \u00fcber, nahm einen langen Anlauf und begab sich mit einem k\u00fchnen Schwung auf die Landstra\u00dfe, die das Feld in zwei Teile zerlegte, um sich von dem n\u00e4chsten Traktor \u00fcberfahren zu lassen.<\/p>\n<p>Der Asphalt brannte unter seinem, bereits vom ewigen An- und Ausziehen verschlissenen Kunstfederm\u00e4ntelchen und es schien ihm, als verschmelze er mit diesem, zu einer undefinierbaren fedrigen Masse.<\/p>\n<p>Wenn nicht bald eines dieser riesigen motorisierten Unget\u00fcme erschien, um ihn endlich von dieser sengenden Hitze und seinem j\u00e4mmerlichen Dasein zu befreien, h\u00e4tte es das Schicksal wieder einmal geschafft, ihm ein Schnippchen zu schlagen und sein geplanter heldenhafter Abgang, w\u00e4re nichts weiter als die letzte verr\u00fcckte Tat eines Vollidioten.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich durchfuhr ein starkes Beben seinen gepeinigten kleinen K\u00f6rper und ein Jubelkr\u00e4chzen entfuhr seiner vertrockneten Kehle.<\/p>\n<p>Vor Spannung zitternd und vor Durst r\u00f6chelnd harrte er der Dinge, oder des Dings, das da endlich \u00fcber ihn hinwegrollen und ihn zermalmen, ja zerquetschen w\u00fcrde. &#8211; Erbarmungslos plattwalzen w\u00fcrde. Ja! Erbarmungslos! Jawohl!!!<\/p>\n<p>Aber wie das Schicksal nun einmal so spielt, wird auch ein Gott einmal ausgewechselt, weil er eventuell m\u00fcde oder hungrig ist und einer kleinen Pause bedarf.<\/p>\n<p>Schlimm ist es nur, wenn sich die Laune der Gottesvertretung gar nicht mit der, des Gottes vertr\u00e4gt. \u201e&#8230;UND DER RABE STIRBT NICHT!!!\u201c, sagt diese trotzig, \u201e WARUM SOLL EIN ARMER RABE STERBEN, NUR WEIL SO EINEM SCHEISSGOTT MAL WIEDER EINE LAUS \u00dcBER DIE GOTTESLEBER GELAUFEN IST??!\u201c (Hierzu sollte der geneigte Leser wissen, da\u00df G\u00f6tter grunds\u00e4tzlich in Gro\u00dfbuchstaben sprechen).<\/p>\n<p>So begab es sich also, da\u00df der komische Vogel unserer\u00a0 merkw\u00fcrdigen Geschichte immer noch auf der, sich niemals abk\u00fchlen wollenden Teerfl\u00e4che lag und sich sein Ende in den schillerndsten Arafarben ausmalte, als sich unerwartet zu seiner Linken ein zartes Stimmchen meldete : \u201ePsssst! Pssst!\u201c Der Rabe war vollkommen ungehalten von dieser unwillkommenen Unterbrechung, zumal sich das ersehnte Rumpeln zusehendst n\u00e4herte. \u201eHey, was soll das? Labert man einen Todgeweihten derma\u00dfen unsensibel von der Seite an?\u201c \u2013 \u201ePssst! Pssst!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSag doch mal etwas anderes als dieses d\u00e4mliche \u2013 Pssst! Pssst! Oder besser, halt die Schnauze, weil gleich machts \u2013 Brumm, brumm! Und dann \u2013 Matsch! Schleim! Und ein letztes mal \u2013 Pffft! Und dann hat es sich endlich. ICH WILL ES GENIESSEN, VERDAMMT NOCH MAL! Grrrrrr!\u201c<\/p>\n<p>\u201e Pssst! Du Rabe, ich habe da ein Geheimnis, das mu\u00df ich dir unbedingt erz\u00e4hlen! Daf\u00fcr mu\u00dft du aber erst von der doofen Stra\u00dfe herunterkommen. Das Brummen, das du da h\u00f6rst ist nur mein Magen. Heute ist n\u00e4mlich autofreier Sonntag. Also mach keinen Schei\u00df und la\u00df den Bl\u00f6dsinn!\u201c<\/p>\n<p>Der Rabe gr\u00fcbelte kurz vor sich hin und auf einmal rangen sich folgende, f\u00fcr alle \u00fcberraschende Worte aus seiner strapazierten Kehle: \u201e Ich bin total in Andrea verknallt und werde sie bestimmt vermissen, wenn sie aus der Haust\u00fcr geht. Es war doch soooo wundersch\u00f6n gestern und heute.\u201c &#8230;.\u201cVerdammt!!&#8230;Was erz\u00e4hle ich denn da?\u201c fragte sich der Rabe, zerrte den verklebten Fl\u00fcgel von der aufgeweichten Stra\u00dfe und kratze sich damit am Kopf, den er aber auch erst aus dem Teer ziehen mu\u00dfte. \u201e..ich kenne \u00fcberhaupt keine Andrea! Das scheint mir wieder eine dieser g\u00f6ttlichen Kommunikationsst\u00f6rungen zu sein, die in letzter Zeit immer \u00f6fter auftreten. Aber wenn Andrea so liebenswert ist, da\u00df sogar G\u00f6tter ihretwegen Fehler machen, dann mu\u00df da ja schon was hinter stecken. Die mu\u00df ich kennenlernen. Ich will leben!!!!!!\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa also, geschafft,\u201c meldete sich die Stimme erneut. \u201eLos, steh endlich auf! Mein Gott bietest du einen j\u00e4mmerlichen Anblick. Eigentlich siehst\u00a0 du jetzt schon so aus als w\u00e4re bereits ein kompletter Konvoi Traktoren \u00fcber dich hinweg gebrettert.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJetzt h\u00f6r mir mal gut zu, du nervst du bl\u00f6de Stimme du. Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, da\u00df du lispelst? Wie soll man dich da denn ernst nehmen und nimm doch endlich die Zange aus deinem Schritt, falls du denn einen hast! Und&#8230;und \u00fcberhaupt&#8230;Wieso sehe ich dich eigentlich nicht, he? Wahrscheinlich bist du voll sch\u00e4bbig! Unglaublich sch\u00e4bbig! Unsagbar sch\u00e4bbig! Unbeschreiblich sch\u00e4bbig. Sozusagen GROTTENSCH\u00c4BBIG!<\/p>\n<p>Ich wei\u00df ja nicht, was du absolut sch\u00e4bbiges Fistelstimmchen jetzt machst, aber ich f\u00fcr meinen Teil habe keine Lust mehr, wie bl\u00f6d hier rumzuliegen, wenn sowieso nix mehr vorbeikommt, was mich \u00fcberrollen k\u00f6nnte. Au\u00dferdem habe ich es mir anders \u00fcberlegt. Eigentlich ist es total albern hier auf dem Asphalt festgeklebt zu sein. Schwarzer Adler auf schwarzem Grund! Mich sieht doch sowieso keine Sau. Also, ich geh jetzt. Und ich finde mich sch\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6n! Sehr sch\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6n!\u201c<\/p>\n<p>Von seinem Redeschwall vollkommen ersch\u00f6pft, lie\u00df der Rabe seinen Kopf wieder nach hinten knallen und schlo\u00df seine schwarzen Knopfaugen. \u201eSo, jetzt habe ich mich genug ausgeruht. Ich geh jetzt aber wirklich. So richtig. So wie in echt.\u201c Kurzerhand ri\u00df er sich mit einem Ruck los. \u201eSchei\u00dfe tut das weh!\u201c Ein paar seiner Federn trennten sich kurzerhand von ihm, blieben am Teer kleben und verabschiedeten sich von ihrem Vorbesitzer.<\/p>\n<p>Just in diesem Augenblick machten die G\u00f6tter wieder Schichtwechsel. F\u00fcr nur einen kurzen, wirklich nur kurzen Augenblick f\u00fcr einen Gott, war das Schaltpult unbesetzt. Genau in dieser Zeit versuchte ein gewisser zerzauster Rabe sich aus dem weichen Teer einer Landstra\u00dfe zu zerren, um sich nach einem ereignisreichen Tag nach Hause zu begeben.<\/p>\n<p>Da h\u00f6rte er hinter sich eine Stimme. \u201eHey, du alter Zausel, ich werde dich jetzt t\u00f6ten und verspeisen!\u201c<\/p>\n<p>Erschrocken blickte sich unser gefiederter Freund um und ward eine schreckliche Gestalt gewahr, die sich langsam, mit schweren Schritten auf ihn zubewegte.<\/p>\n<p>Die kleinen Knopf\u00e4uglein des Raben quollen \u00fcber vor Furcht und er bekam eine dicke G\u00e4nsehaut, wenn man das \u00fcber die Haut eines Raben so sagen darf, ohne ihn zu beleidigen. Unser Held versuchte also fl\u00fcgelschlagend das Weite zu suchen, aber leider staken noch zu viele seiner Federn im gl\u00e4nzenden weichen Asphalt der Landstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Und genau die waren seine Rettung.<\/p>\n<p>Als sich das fiese Ungeheuer auf die Verfolgung unseres schwarzen Gesellen machte, mu\u00dfte es \u00fcber die Stra\u00dfe und kam dabei mit seinen F\u00fc\u00dfen auf den, im Teer steckenden, Rabenfedern zu stehen.<\/p>\n<p>Vor Lachen brach das Ungeheuer zusammen, denn es war an den F\u00fc\u00dfen kitzelig. Das war aber bis dahin sein Geheimnis. Und au\u00dfer ihm wu\u00dfte es nur eine kleine, d\u00fcnne, lispelnde Fistelstimme.<\/p>\n<p>So versank das Ungeheuer sang und klanglos, wenn man von seinem wiehernden Gel\u00e4chter einmal absieht im Teer der Stra\u00dfe. Seitdem hie\u00df die Stra\u00dfe nur noch \u2013 Die Stra\u00dfe des lachenden Todes, der fast einen Raben ohne Federn verspeist h\u00e4tte. \u2013 B\u00f6se Zungen behaupten zwar, der Rabe wurde vorher von einer Stimme gewarnt und er h\u00e4tte deswegen ein paar (ca. 50%) seiner Federn in den Asphalt gesteckt, aber das sind halt die typischen N\u00f6rgeler, die auch behaupten, der Name der Stra\u00dfe sei etwas zu lang.<\/p>\n<p>Und unser alter kodderiger Rabe? Wie ist er aus dieser unglaublichen, aber wahren Geschichte herausgekommen?<\/p>\n<p>\u201eNa, wie schon erlesene Leserschaft! Geschwommen bin ich ja wohl kaum und wenn einer von Euch Witzbolden meint, ich sei geflogen, werd\u2018 ich sauer, aber so richtig sauer, weil ich dann n\u00e4mlich annehmen m\u00fc\u00dfte, Ihr wolltet mich verarschen! Wie sollte ich mit den letzten erb\u00e4rmlichen Federchen denn fliegen sollen, he?! Wahnsinnig komisch! Ha, ha! Da kann doch wirklich keiner dr\u00fcber lachen. Halt! Wer lacht da! Raus!<\/p>\n<p>Sofort raus aus meiner Geschichte! Ich halt\u2018s nicht aus. Kann denn keiner dieses hirnlose Etwas rausschmei\u00dfen? Buh!- Habt Ihr gesehen, dem hab ich es ganz sch\u00f6n gegeben&#8230;erst ranschleichen und dann `Buh!` machen. MEMME! OLLER ANGSTHASE! SPEICHELLECKER! Ich werde es Euch verraten. Ihr gebt ja sonst sowieso keine Ruhe&#8230;\u201c \u201ePssst\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd DUUUU h\u00e4ltst dich da ein f\u00fcr allemal raus. Bl\u00f6de Fistelstimme!<\/p>\n<p>Ich komm noch dahinter, wie DU sch\u00e4bbiges angeblich k\u00f6rperloses, Kneifzangen verklemmtes Etwas es fertig bringst beim reden derma\u00dfen zu spucken. Das ist ja widerlich! Einfach EKELHAFT!<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu der entscheidenden Frage. Ha! Iiiich biiin geeelauuufeeen! Ha! Gelaufen, was h\u00e4tte ich denn Eurer Ansicht nach tun sollen?! Nach der kompletten Blamage vielleicht KRIECHEN?!<\/p>\n<p>Ich mach mich doch nicht komplett zum Vollidioten. Ich bin hocherhobenen, kahlk\u00f6pfigen Hauptes und halbnackt einen trinken gegangen.<\/p>\n<p>Mein Gott, hatte ich einen Brand. Liegt Ihr mal stundenlang auf sonnem ollen, kochendhei\u00dfem Asphalt rum!\u201c<\/p>\n<p>Und die Moral von der Geschicht? \u2013 Sie hat keine! Denn das Leben schreibt nun mal die aberwitzigsten Geschichten und das Schicksal f\u00fchrt Regie. Wie soll sich die Moral bei so einem Chaos auch noch zurechtfinden?!<\/p>\n<p>ENDE<\/p>\n<p>(C) Andreas Franke<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=278\" data-text=\"Die Geschichte vom traurigen Raben.\" data-count=\"horizontal\">Tweet<\/a><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 0;float:none;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/worte-wie-wogen.de\/?p=278\" send=\"false\" layout=\"like\" width=\"450\" show_faces=\"true\" font=\"arial\" action=\"\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ShareEs war einmal ein alter kodderiger Rabe, der hatte keinen Bock mehr auf irgendwelche Felder zu fliegen und sich den Bauch vollzuschlagen, mit dem Korn, was diese dummen Menschen seinesgleichen \u00fcbriglie\u00dfen. 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